Samstag, 2. Januar 2016

Ein ungeplanter Jahresrückblick oder Die Kaffeemaschine, das Glück und ich

Folgende Geschichte trug sich im Hause B. zwischen Weihnachten und Neujahr zu:
Weihnachten haben mein Freund und ich u.a mit dessen Cousine und ihrem Freund gefeiert, die gerade relativ frisch in ihre neu renovierte Wohnung gezogen sind. Auf unsere Frage, was sie denn brauchen könnten, antwortete der Freund "Eine Kaffeemaschine, nichts Supertolles, was für den schnellen Kaffee am Morgen." Das sollte dann eine Überraschung für die Cousine werden. Wir also recherchiert und beim Markt, bei dem man hauptsächlich Spaß haben soll, ein Aktionsschnäppchen mit knapp 60 statt 90 Tacken geschossen. Ich selber bin schon seit über einem Jahr um eine neue Maschine rumgeschlichen, aber habe immer gesagt "Ach die Alte mit ihren Macken, ja ist nervig, aber sie tuts noch, wenn sie nicht wieder spinnt." 
Allein da dachte ich mir schon - hey sag mal, Du kaufst für andere die Sachen ein, die Du auch gern hättest, aber die Du Dir selber aus irgendeinem Grund immer nicht gönnst... merkst Du was?

Kaum war die Maschine bestellt, erhielt ich über den Messenger eine Nachricht des Freundes mit dem Foto einer Kaffeemaschine und dem Text "Wir haben ein Problem. Hat sie gerade von einer Freundin geschenkt bekommen."
Super.
Naja, habe ja gestern erst geordert, kann ich sicher stornieren. Dabei immer noch nicht an mich und meinen Kaffeemaschinenwunsch gedacht.

Gesagt getan und ab die Stornierung.
Kurz darauf schon die Antwort "Tut uns Leid, ist bereits in der Versandabteilung." 
Okay dachte ich, dann eben annehmen und zurückschicken.
Immer noch nicht an mich selber gedacht.

Dann kam die Maschine, während ich arbeiten war und mein Freund hat sie zwecks Rücksendeformular aus der Verpackung genommen. Da stand sie also und "schaute" mich an, als ich nach Hause kam.
Hmmm überlegte ich, eigentlich schon ein tolles Ding.

Aber, ja aber ich hatte mit meiner Kaffeemaschine parallel direkt beim Hersteller noch eine Extrapadhalterung für meine alte Maschine bestellt. Diese Halterung ist bei der neuen natürlich inklusive. War jetzt also auch ein Schneiderkauf. Nur zehn Euronen, aber ist ja auch Geld.

Ich habe dann wirklich zwei Tage überlegt und mich schließlich dafür entschieden, die neue Kaffeemaschine selber zu behalten und die alte zu verschenken bzw. nur etwas für den nigelnagelneuen Padhalter zu verlangen.
Also die alte Maschine zu verschenken in verschiedenen Gruppen inseriert und die Geschichte als Erklärung dazugeschrieben, damit sich keiner wundert, warum eine alte Maschine mit einem neuen Padhalter angeboten wird.

Da schrieb eine Freundin drunter "Du hast aber auch immer ein Pech."

Und das war der Punkt, wo mir etwas geplatzt ist.
Im positiven Sinne.

Nein, das stimmt einfach nicht! Und ich will so etwas nicht mehr hören oder lesen.

Man schickt ja immer Wünsche ins Universum und bekommt sie auch erfüllt, mal früher, mal später. Und genau genommen habe ich gerade drei Kaffeemaschinen im Haus, neben den beiden genannten nämlich auch eine kleine Eintassenfiltermaschine, die zwar super ist, aber zu umständlich für das genaue Dosieren mit Pulver am frühen Morgen. Habe ich erst gemerkt, nachdem sie mir per Zufall ins Haus geschneit kam.
Zufall.
Ihr merkt was?
Das Schicksal hat mir aufgrund meines Wunsches diese zwei Maschinen 2015 als Geschenke ins Leben geschickt (ich habe sie tatsächlich für lau überlassen bekommen). Da ich aber immer noch nicht zufrieden war, sagte wohl Karma "Okay die Alte ist echt schwierig, ich machs jetzt auf die harte Tour, damit sie endlich zufrieden ist."

Der Satz der Freundin hat mir gerade aufgezeigt, wie ich wohl nach außen wirken muss. 
Als ewiger Pechvogel.
Und dagegen verwehre ich mich entschieden.

2015 habe ich so massig viel Glück gehabt, in kleinen und mittleren Dingen, und dafür bin ich wahnsinnig dankbar. So viele Dinge und Möglichkeiten haben sich mir geboten und wäre ich ein ewiger Trauerkloß, hätte ich keine einzige dieser Chancen wahrgenommen denn überhaupt ergriffen.
Vielleicht - und falls Dus liest, dann siehs mir nach, dennoch ist der Gedanke berechtigt - sagt dieser eine Satz auch mehr über den Aussprecher denn über den Hörer (also mich) aus. Schließlich bin ich ja nur verantworlich für das, was ich sage und nicht das, was andere dann verstehen oder denken.

Warum nun poste ich darüber?
Weil - ja das stimmt und ich gebe es zu - es mir seit einiger Zeit wieder so gut wie gar nicht gelingt, meine Hypersensitivität zu kontrollieren und mich gegen äußere Einflüsse zu schützen. Ich bin seit Wochen so duchlässig für das Leid und den Kummer anderer Lebewesen (nicht nur Menschen) wie zu meinen schlimmsten Zeiten, an denen ich mich nur noch komplett in eine Decke gewickelt in meiner Bude verkroch. Ich weiß zwar, wann genau das passiert ist, aber nicht wirklich, warum, denn einen speziellen Anlass gab es nicht. 

Deshalb habe ich Euch auch keinen Jahresrückblick 2015 angefertigt, denn immer, wenn ich kurz davor war, ihn zu posten, sagte mein Bauch "Ne Du lass mal, das ist jetzt nicht der Zeitpunkt. Inhaltlich ists auch nicht passend."
Vielleicht ist es ja jetzt an der Zeit:

Letztes Jahr war ein tolles Jahr für mich. Es war nicht immer positiv, aber es scheint niemandem an 365 Tagen die Sonne aus dem Arsch. Dennoch habe ich auch durch - oder gerade wegen - diese/r schweren Momente erkannt, was ich an ihnen gewonnen habe:

Ich habe Menschen verloren, von denen ich jetzt weiss, dass sie all meine Bemühungen nicht wert waren. Und das ist in Ordnung, denn wie überflüssige Pfunde auf den Körper, gehen auch solche Menschen auf die psychischen Gelenke und lassen sie unter der unnötigen Last ächzen.
Ich habe Menschen hinzugewonnen bzw. noch mehr zu schätzen gelernt, die mir manchmal von obigen Menschen weniger positiv gezeichnet wurden (und da stellt sich dann schon die Frage, warum).
Ich habe gemerkt, wer ehrlich zu mir war und wer mir link ins Gesicht gelogen hat - in jeder Lebenslage. Daraus habe ich zwar nach Außen kein Drama gemacht, aber es ließ mich im Stillen meine Konsequenzen ziehen.
Ich habe erkannt, wer seinen Tiefgang nur vorgeschoben hat und in Wirklichkeit hohl wie eine leere Erdnußschale ist, die man voller Vorfreude auf den leckeren Inhalt aufknackt und dann beim Anblick des dunkel verschrumpelten, bitteren Kerns beiseite legt (wobei man hier auch wieder an sich selber arbeiten muss - denn Erwartungen setzt man stets selber, nicht die anderen).

Meine Konsequenz daraus lautet:
Es ist nicht ratsam, immer nur an das Gute im Menschen zu glauben oder darauf zu hoffen.
Denn so sind die meisten Menschen leider nicht.
Aber es reicht, wenn man an das Gute in sicher selber glaubt, denn das ist der Schlüssel zu einem zufriedenem Leben. Und wenn jeder an das Gute in sich selber glaubt, dann tragen wir das auch nach außen... und schaffen dadurch letztlich auch für uns ein glücklicheres Umfeld.

Deshalb möchte ich solche Sätze wie den zu Anfang beschriebenen nicht mehr in meinem Leben haben. Ich bin vielleicht nicht der Ausbund an ewiger Lebensfreude, aber deshalb noch lange kein Superpechvogel, dem nie was Gutes widerfährt.
Man muss da wirklich aufpassen, denn wenn man etwas lang genug eingetrichtert bekommt, dann manifestiert sich das ja auch irgendwann im Unterbewusstsein und schon zieht man diese Schwingungen an.

Ich will und werde auch (wieder) bewusster leben. Mir die Sachen gönnen, die ich mir wünsche. Ich bin eh relativ genügsam und versuche immer, mich über die Dinge zu freuen, die man oft als allzu verständlich nimmt - die eigene Wohnung, ein voller Kühlschrank, eine warme Heizung und und und.

Und wenn man sich wirklich richtig dolle was wünscht und kann es sich leisten, dann soll man sich damit auch selber beschenken. Man arbeitet schließlich hart genug für sein Geld, warum also immer nur tolle Sachen für die anderen kaufen und nie für sich selber?

Wo ist da denn bloß die Logik?

Das hat wohl letztendlich auch Karma an mir verzweifeln lassen und mir die Kaffeemaschine auf diese etwas verquere Art aufs Auge gedrückt in der Hoffnung, dass ich endlich mal was schnalle.
Hab ich erst nicht.
Dann kam dieser eine Satz.
Da machte es "Ping".

Danke. Jetzt hab ichs endlich kapiert.
Auch, wenns ziemlich lang gedauert hat.



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