Mittwoch, 15. April 2015

Von der Inflation des Begriffes Freundschaft

Freundschaften.
Das ist so ein schwieriges Thema...

Freundschaft bedeutet für mich, dass man jemanden Wert schätzt und für ihn da ist, wenn es ihm schlecht geht. Es bedeutet für mich, dass man sich gut versteht, trotz oder gerade wegen der vielen, individuellen Eigenheiten, und das unabhängig von äußeren Faktoren wie Zeit, Status oder sozialem Standing.
Manche Dinge sind für mich schwer in Worte zu fassen, auch wenn sie mir sonst spritzig aus den Fingern purzeln.
Vielleicht sollte ich das Pferd deshalb andersherum aufzäumen.

Freundschaft bedeutet für mich nicht, dass immer alles eitel Sonnenschein ist.
Es bedeutet für mich aber auch nicht, dass man auf sein Gegenüber verbal draufhauen kann, wenn das eigene Denken nur Schwarz und Weiss gestattet, während der andere die vielen Grautöne sieht.
Es bedeutet für mich nicht, sich alles gefallen lassen zu müssen, nur damit Ruhe im Karton und wenigstens einer von beiden zufrieden ist.

Eine echte Freundschaft, die verträgt auch mal einen sauberen Arschtritt.
Weil manchmal, da ist es mit einem "Eieiei" und rosa Wattebäuschchen einfach nicht mehr getan. 
Manchmal muss man sich selber positionieren, um den eigenen "Wert" klarzustellen.
Manchmal auch, um sich selber zu schützen.
Das ist dann der Punkt, an dem sich zeigt, was die Freundschaft wirklich aushält.
Und wieviel der andere zum nachdenken bereit ist.

Ich denke seit mehreren Wochen sehr viel nach.
Weil ich mich klar positioniert habe.
Die Erkenntnis daraus, zugegeben, die gefällt mir nicht.
Stellen muss ich mich ihr trotzdem.

Enttäuscht, so sagt ein kluges Sprichwort, kann man von Menschen immer nur dann werden, wenn man Erwartungen in sie setzt, die sie nicht erfüllen können.
Und genau das ist mir offenbar passiert.
Ich habe gedacht, manchen Menschen wäre meine Freundschaft genausoviel Wert, wie mir die ihrigen waren. Sind, nein das mag ich nicht mehr so ganz schreiben.
Gibt es möglicherweise etwas dazwischen?
Wer die Antwort darauf weiss, bekommt einen Keks.

Es gibt Menschen, die wollen echte Freunde.
Eine charmante Wienerin in meinem Leben, die kann da mit mir zusammen ein Lied von im Kanon singen. Was wir beide erlebt haben, war schwer genug, mit Jahre langer Funkstille und letztendlich doch einem Happy Ending. Weil wir beide über unsere Schatten gesprungen sind und es geschafft haben, hinter allem Geschehenen den Menschen fernab vom eigenen Ego zu sehen.
Wir haben uns wieder so gesehen, wie wir wirklich sind.
Es ist schön, dass wir das gemeinsam hinbekommen haben.

Dann gibt es Menschen, die wollen Bewunderer.
Man denkt, sie sind Freunde, und ja, sie sind in manchen Lebenslagen auch für einen da.
Sofern es für sie passt.
Eben nur solang, wie man keine Widerworte gibt und die Dinge nicht hinterfragt.
Dann nämlich ist Schluss.
Da wird sich auch nicht mehr bemüht.
Bisschen nachtreten noch, weils Spaß macht.
Der Schuhabdruck auf der Seele verblasst mit der Zeit.
Aber die Stelle wird nie mehr dieselbe sein.

Und dann gibt es noch die Menschen, die wollen Liebe.
Auf Teufel komm raus und um jeden Preis.
Das sind die Menschen, die diejenigen, die sie auserkoren haben, auf ein Podest stellen, das umso mehr wackelt, je höher es ist. Dass man davon irgendwann mit einem sauberen Schlag herunterfällt, ist die rein logische Konsequenz.
Dann schlägt die Zuneigung komplett um ins andere Extrem.
Und man selbst, die man einfach nur versucht hat, wieder ein Gleichgewicht herzustellen, muss erkennen, dass es niemals eins gegeben hat.

Freundschaft, so meine letztliche Konsequenz, das ist ein Wort, das ich in Zukunft nur noch sehr bewusst und sparsam dosieren werde.

Denn es verliert an Wert, je öfter man es benutzt.





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