Donnerstag, 25. Dezember 2014

Der Zauber der Zwölften 2014

Nun ist es wieder soweit.
Die allerliebste meiner Jahreszeiten ist gekommen.
Dabei geht es jedoch nicht um Frühling, Sommer, Herbst oder Winter.
Es betrifft die Zeit vom 24.12. bis 06.01. eines jeden Jahres.

 Rauhnächte

Anlässlich dieser besonderen Zeit habe ich für Euch einen alten Beitrag von 2010 ausgegraben und aktualisiert, damit er Euch diese Nächte näher bringt und vielleicht die ein oder andere Gänsehaut verpasst:



Als Rauhnächte oder die Nächte in den Zwölften gelten die Tage vom 24. Dezember bis einschliesslich 06. Januar des neuen Jahres, wobei es hier regionale Abweichungen gibt. Wikipedia bezeichnet diese Nächte sehr treffend als "eine Zeit, die für die Geisteraustreibung oder -beschwörung, den Kontakt mit Tieren oder wahrsagerische Praktiken geeignet sein soll" und schreibt über die Tage bis Silvester:
"In dieser Zeit steht nach altem Volksglauben das Geisterreich offen, und die Seelen der Verstorbenen sowie die Geister haben Ausgang. Dämonen können Umzüge veranstalten oder mit der wilden Jagd durch die Lande ziehen. Bis in die jüngere Zeit war in weiten Teilen Europas der Glaube verbreitet, dass sich zauberkundige Menschen, die einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatten, zu dieser Zeit in Werwölfe verwandelten und in dieser Gestalt Mensch und Vieh bedrohten..."




Kein Wunder also, dass die Rauhnächte mich ab dem Zeitpunkt faszinierten, als mir mein Onkel das Buch Rauhnachtzauber mitbrachte, welches er in seinem Privatfundus verwahrt hatte. Es ist seit nunmehr ca. 20 Jahren in meinem Besitz, das Buch selber entstammt der ersten Auflage von 1986. Als Tochter ehemaliger Jäger, die schon als kleiner Stumpen bei Nacht und Nebel ungeachtet Wind und Wetters mit in den dunklen Wald auf die Pirsch gehen musste (soviel zur frühkindlichen Prägung), war ich für diese Sammlung europäischer Jagdsagen rund um diese besondere Zeit Feuer und Flamme [aktuelle Anm. - auch wenn ich mich seit Jahren vom Jagdsport selber distanziere].
Gruselig sind sie, grausam und lehrreich.
Auf keinen Fall etwas, was man seinen Kindern vorm schlafen gehen vorlesen sollte.
Später erstand ich dann noch das Werk von Sigrid Früh, die in ihrem Buch Rauhnächte spezifischer auf "Märchen, Brauchtum und Aberglaube" eingeht. Zwischen einigen kurzen Mythen verpackt sie traumhaft alten Glauben, der früher von Generation zu Generation mündlich überliefert wurde, sowohl erfreulich wie auch schauerlich. Wenn man bespielsweise am 24.12. um Mitternacht die Wohnung "hinterführ und nackend" wischt, soll man angeblich den zukünftigen Liebhaber ebenfalls im Adamskostüm unter dem Tisch sitzend erblicken können.
Nicht lachen, Ihr wisst ja nicht, obs nicht doch stimmt - oder habt Ihr an Weihnachten 00:00 Uhr schon mal nackt im Rückwährtsgang die Bude nass poliert?
Habt Ihr überhaupt schon mal nackt gewischt?
Na eben.
Wer das probieren möchte, bitte gerne, würde mich über einen Erfahrungsbericht sehr freuen.

Gruseliger wird es dagegen, wenn man am Heiligen Abend auf "einen Kreuzweg geht", sprich sich um Mitternacht auf eine Kreuzung stellt. Dann erscheint einem Schlag Zwölf der Leibhaftige und fragt nach Deinem Wunsch in Form von Geld oder Saatgut. Ich persönlich hege zwar keinen Wunsch, der es wert wäre, sich deswegen bei Lucifer eines Gefallens schuldig zu machen, aber auf einen Plausch treffen würed ich ihn schon mal ganz gern.
Wer dagegen Harry Potter nachahmen will, der muss sich nach dem Rückgratsplitter eines in der Neujahrsnacht gesottenen Katers umsehen. Hiermit erlasse ich eine offizielle Warnung an alle miauenden Fellträger für diese Nacht - bleibt mal lieber hinterm Ofen.

Ob und wie viel an diesen Sagen und Mythen dran ist, obliegt jeder/m selber zu beurteilen. Vielleicht hat dieser kurze Brauachtumsexkurs in die Zwölften dem/r ein oder anderen Leser/in aber auch Laune auf eine ganz spezielle Weihnachtslektüre gemacht. Und sollte Euch in jenen Tagen während der wilden Jagd Frau Gode erscheinen oder gar einer ihrer Hunde, so seid freundlich und kommt dem nach, was von Euch verlangt wird.

Es wird Euer Schaden ganz sicher nicht sein...

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