Dienstag, 18. November 2014

Das Rascheln der Rosen

Die letzte Woche war eine sehr traurige für uns.
Gleich zwei unserer geliebten Flauschis machten sich auf die Reise über die Regenbogenbrücke.
Während Paulinchen, unser Champagne Banded Mädchen, im Alter von fast zwei Jahren (ein schönes Alter für Mittelhamster) von Samstag auf Sonntag friedlich einschlief - sowas wünsche ich mir für mich auch mal -, hatten wir mit unserer jungen Goldhamsterdame Lilly Pfötchen einen so furchtbaren Kampf ums Leben direkt in unseren Händen, dass zwei Nächte hintereinander die Tierrettung München bei uns ins Haus düste. Und meinen Geldbeutel pro Einsatz um knapp 100 Flocken erleichterte (bei meinen Kleinen schaue ich aber nicht aufs Geld, wir sind sehr froh, dass es hier so eine tolle Einrichtung gibt).
Da manche unserer Hamster dazu neigen, zu schnarchen oder auch zu "sprechen", dachte ich mir anfangs nichts dabei, als es im Rahmen einer Nachtwache aus dem Quarantänekörbchen quietschte und maunzte... aber als dieses Maunzen in ein immer leidvolleres Schreien überging, war klar, dass Lilly es trotz Rundumversorgung dieses Mal nicht schaffen würde. Ihre kleine Lunge war offenbar gefüllt mit Flüssigkeit. Ihr nasser, geschwächter Körper lag in unseren Händen, das Mäulchen von unseren Fingern geöffnet, damit das Wasser abtropfen konnte, während wir auf die erlösende Injektion durch Dr. Horvárth warteten. An dieser Stelle noch einmal DANKE für die schnelle Hilfe.
Auch wenn Paulinchen ihrer Nachbarin nur wenige Tage später vollkommen friedlich auf die andere Seite folgte, so kam ich - die Tierbesitzer werden es verstehen - aus dem Weinen nicht mehr raus. Man vermisst sie ja schon ganz schrecklich.
Relativ früh ging ich deswegen mit verquollenem Gesicht ins Bett, um Ruhe zwischen den seidig weichen Laken zu finden. Direkt über meinem Kopfkissen hatte ich genau an diesem Tag drei Stoffrosen festgesteckt, welche mir Aljoscha auf dem Oktoberfest geschossen hatte. Während ich mit geschlossenen Augen auf den Schlaf wartete, vernahm ich plötzlich ein Rascheln über mir. Erst ganz leise, dann immer lauter werdend. Verdutzt öffnete ich die Augen und blickte über mich, hinauf zu den Rosen. Tatsächlich bewegten sich die Stoffblätter an zwei der Rosenstiele. Nicht zufällig, so als würde ein Luftzug durchs Zimmer streifen oder eine vorbeifahrende Bahn den Boden erschüttern. Nein, es sah aus, als würde etwas über die Blätter klettern. 
Mein erster Gedanke "Eine Spinne! Ein Käfer! Lieber schnell aufstehen, bevor es dir aufs Gesicht klatscht!" Also fuhr ich umgehend hoch.
Aber da war kein Käfer.
Keine Spinne.
Da war überhaupt nichts.
Noch einmal wackelte eines der Blätter, fast schien es so, als würde es mir zuwinken.
Danach verharrten die Rosen wieder in vollkommener Stille.

Man kann jetzt davon halten, was man will. Wer mich und meinen Blog kennt, der weiss, dass solcherlei Begebenheiten im Hause B. dann und wann vorkommen, und trotzdem ich das gewohnt sein sollte, so überraschen sie mich doch jedes Mal aufs Neue. Manchmal erleben es sogar auch die Personen, die zufällig gerade anwesend sind. Die Reaktionen könnt Ihr Euch sicher vorstellen.

Ich persönlich habe für mich die Entscheidung gefällt, zu glauben, dass sich in diesem Moment zwei kleine, liebe Seelen auf ihre Weise von mir verabschiedet haben. Dass sie mir zeigen wollten, dass ich nicht traurig sein soll und sie in der Zeit bei uns, auch wenn sie teilweise viel zu kurz war, vollkommen glücklich waren.

Manchmal ist Glauben eine wirklich wunderbare Sache.

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