Montag, 13. Oktober 2014

Dämonisches Wiedersehen

Da war er also wieder. Hat sich ja laaaange nicht blicken lassen, zugegeben. Fast war ich schon dabei, mir ein wenig Sorgen zu machen. War unnötig. Gestern Nacht hat er wieder volles Rohr zugeschlagen und mich wissen lassen, dass ich mich nicht zu früh freuen solle. Auch eine Pause, egal wie lange, ist eben nur das - eine Pause. Ich stand in meinem alten Badezimmer und wollte mich gerade fertig machen, um eine Freundin zusammen mit meinem Vater vom Zug abzuholen, als er mir von hinten in die Haare fasst und mich an ihnen mit grober Wucht zu Boden zerrte, dabei seine unbändige Wut auf mich spuckte, dass ich laut schreiend aufwachte. Instinktiv rollte ich sofort auf die andere Bettseite, um bei meinem Freund Schutz zu suchen. Der jedoch - selbst eine Bombe könnte direkt neben ihm hochgehen, er würde es einfach verschlafen - quittierte mir meine hilfesuchende Klammerattacke im Tiefschlaf instinktiv mit dem, was "Mann" ebenso macht, wenn er schlafen will. Genau. Ellenbogen ins Gesicht. Die Ärzte würden singen "Mitten in die Fresse rein." Ein Wunder, dass die Nase nicht gebrochen ist. Wenigstens lenkte mich der Schmerz von meiner Angst ab und sorgte dafür, dass ich bald mit anderen Gedanken wieder weiter schlafen konnte.
Ich hatte fast vergessen, wie es ist, mit einem Anhängsel zu leben. Wie bedrohlich intensiv sich plötzlich diese anderweltliche Gegenwart voll schlechter Energie über einem erhebt und man dadurch nahezu an dem furchtbaren Gefühl erstickt, im nächsten Moment habe das letzte Stündlein geschlagen.
Er hat gestern wieder ein Gastspiel gegeben. Kurz, aber wirksam.
Gegen das Vergessen.
Und gegen die trügerische Sicherheit.
Man soll den Tag eben nie vor dem Abend loben.
Oder in dem Fall vor der Nacht.

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