Samstag, 15. Juni 2013

Achterbahn eines Schreiberlings

Wie machen das eigentlich die anderen?
Diese Frage stelle ich mir ziemlich häufig und noch häufiger, je seltener ich dazu komme, was aufs Papier zu bringen. Da neben einem Vollzeitjob auch noch ein Freund und jede Menge hungriger Pelzmäulchen dazu kommen sowie Freunde, die auch "mal was von Dir haben wollen" (Zitat), ist es nicht gerade einfach, da eine Routine hinein zu bringen und zu sagen "Pro Tag zwei Seiten, drunter is nicht." Gut, das klappt so oder so nicht. Mal hat man Inspiration, mal geht sie stiften.
Das Organisatorische wär jetzt auch weniger meine Frage, sondern vielmehr die Entstehung der Geschichte an sich. Gibt es ein Thema, über das immer schon mal geschrieben werden wollte, für das bisher aber das richtige "Klick" gefehlt hat? Setzt man sich hin und zeichnet quasi zunächst ein Skizzenboard der Charaktere und der Geschichte, was man dann zusammenfügt und beim schreiben selber nur noch grob ausschmücken muss?
Mir ist es heute wieder passiert, dass ich nach langer Zeit mal wieder Muse (und Zeit!!!) hatte, ein paar Seiten des neuen Buchs niederzuschreiben. Was hab ich am Anfang nicht gezögert und mich geziert, ständig nag(t)en die Selbstzweifel an mir wie die Maus am Gehirnkäse "Das ist doch Schmarrn, das kauft Dir keiner ab, so nen Blödsinn will niemand lesen." (beim abkaufen gehts mir nicht ums Monitäre, sondern um den "Schwachsinns"-Aspekt). Irgendwann der erste Satz. Recht holprig. Dann der zweite. Dritte. Und dann fings langsam an zu laufen, bis wieder ein Kapitel stand. Dabei habe ich null Komma nullo Ahnung, wie die Geschichte laufen soll. Nicht mal das Ende steht fest, es gibt lediglich eine Richtung, mehr aber nicht, keine Eckpunkte, nichts. Ich kann das einfach nicht, eine Geschichte erst als Skelett zu bauen und nach und nach Muskeln, Nerven, Sehnen, Organe und Haut hinzu zufügen. Da sind die Charaktere, nur grob umrissen, eine vage Story und dann lass ichs einfach "frei". Ja, den Profis stellen sich wahrscheinlich grad alle Haare auf. Bei mir gehts halt nicht nach Struktur und Schema. Auf der einen Seite fänd ichs schön, wenn ich so etwas hätte, das würde viele Zweifel und Druck nehmen ("Ich müsste jetzt langsam wirklich wieder was schreiben!"), auf der anderen ist aber gerade das das Spannende - ich weiss nämlich wie im Kino selber nicht, wies ausgeht. Wer vorab petzt, der fliegt! Gerade vorhin ist es wieder passiert, dass das Kapitel sich selbst entwickelte und die Charaktere Sachen machten, die meine Haare zu Berge stehen liessen ("Also, Kinder, was macht ihr denn da, jetzt echt?!"), aber dabei erstaunlicherweise plötzlich auch Antworten auf Fragen gaben, über denen ich seit ner halben Ewigkeit erfolglos gebrütet habe.
Schreiben ist bei mir jedesmal wie ne Achterbahn, auf und ab, mal schnell, mal langsam, und man weiss nie, wann welche Kurve kommt (und ob man sie auch kriegt).
Na dann - wer will nochmal, wer hat noch nicht, neue Runde Herrschaften!


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