Mittwoch, 8. Mai 2013

False Predictions

Genau das ist es, wo mir persönlich der Kamm schwillt.
Es gibt so viele Menschen da draußen, die entweder Geld mit dem Leid anderer Menschen machen oder sich dran aufgeilen oder es einfach nur für die eigene Profilierung nutzen. Ganz ohne Skrupel und Rücksicht auf Verluste.
Sylvia Browne (die ich aus Gründen, die später verständlich werden, an dieser Stelle nicht verlinke), ist eine in den USA wohl bekannte und noch umstrittenere Hellseherin. Meiner Meinung nach zurecht. Vor langen Jahren habe ich einst eines ihrer Bücher gelesen und fand es zwar interessant, aber die Ratschläge darin wenig praktikabel. Das allein ist ja noch kein Vergehen.
Generell empfinde ich es allerdings mehr als schwierig, sich mit dem, was man kann (oder eben auch nicht) in die breite Öffentlichkeit zu stellen und hierauf basierend diverse Aussagen zu treffen, ohne daran zu denken, was das für Folgen nach sich ziehen könnte.
"Sehen" zu können, das ist eine Sache, die man nicht auf die leichte Schulter nimmt, so denn diese Gabe echt ist. Menschen, die wirklich so etwas können, behalten das entweder aus Scham und Angst vor Spott seitens ihrer Mitmenschen für sich, oder gehen damit zumindest so respektvoll um wie mit einem rohen Ei. Ich persönlich stelle mich jetzt auch nicht hin und mache irgendwelche haarsträubenden Aussagen, die vielleicht das Leben eines anderen Menschen komplett verändern oder gar zerstören könnten. Diejenigen unter meinen Lesern, die bereits einmal auf diese Art "das Vergnügen" mit mir hatten, können bestätigen, dass ich mit dem, was ich ab und zu zu überbringen gebeten werde, sehr vorsichtig und behutsam umgehe. Und wären es unangenehme Dinge, die mir vermittelt würden, würde ich mir deren Weitergabe mehr als dreimal überlegen...
Sylvia Browne jedoch, die kratzt das nicht. Sie hat genug treue Anhänger, die ihr die Stange halten, egal welchen - Verzeihung - Mist sie noch baut. Es ist nicht das erste Mal, dass das selbst ernannte Medium den Tod eines vermissten Menschen weissagt, und dieser später lebendig gefunden wird. Doch dieses Mal ist es mehr als tragisch:
2004 erzählte die Dame in der Montel Williams Show der verzweifelten Mutter von Amanda Berry, Louwanna Miller, dass ihre vermisste Tochter tot sei und sie sie nur im Himmel wiedersehen könne. Gut, man muss sich fragen, wie verzweifelt man sein muss, um auf solch eine fragwürdige Aktion zurückzugreifen, aber wäre mein Kind entführt, ich würde sicher auch jeden noch so brüchigen Strohhalm ergreifen. Allein diese Nachricht nun ist schon schlimm genug, doch diese Woche wurde Amanda Berry zusammen mit anderen Opfern aus mehrjähriger Gefangenschaft gerettet. Ihre Mutter Louwanna kann dies nicht mehr miterleben. Sie starb zwei Jahre nach der Fernsehsendung an Herzversagen...
Inwiefern die Aussage von Mrs. Browne hierzu beigetragen hat, kann keiner sagen. Unbezweifelbar ist jedoch sicherlich, dass die Falschaussage über Amandas Tod Louwannas Gesundheit nicht gerade zuträglich gewesen sein wird. Wer weiss, vielleicht starb sie an gebrochenem Herzen? Mag es so sein oder so, mir persönlich kocht meine nicht mehr vorhandene Galle über, wenn ich Menschen wie Mrs Browne medienwirksam vor einem Millionenpublikum über den vermeintlichen Tod eines vermissten Mädchens schwadronieren sehe, während dieses - wie nun bewiesen - soweit der Lage entsprechend gesund und lebendig ist. Da kann Mrs Browne noch so oft behaupten, ihre "Kontakte" hätten ihr das vermittelt, selbst wenn es so war, dann waren diese beim Check-In auf der anderen Ebene wohl einer Verwechslung aufgesessen.
Niemals, niemals, niemals würde ich mich auch nur ansatzweise erdreisten, zu jemandem zu gehen und ihm sagen, dass ein geliebter, vermisster Mensch verstorben sei. Selbst, wenn das stimmen würde. Man kann damit soviel irreparablen Schaden anrichten. Dass sich die Dame in diesem Punkt einfach geirrt hat, das - mit Respekt - glaube ich nicht. Ich denke, deren Visionen dienen nur den Zwecken von Publicity und Money, Money, Money. Ein verantwortungsvolles Medium würde sich nie auf so ein Schauspiel einlassen.
Genau solche Menschen sind der Grund, warum sich die, die wirklich "gifted" sind, sehr bedeckt halten, manchmal sogar verstecken oder zumindest diverse Informationen tausendmal durchsieben, bevor sie sie häppchenweise weitergeben. Und solche Menschen sind auch der Grund, warum die, die nicht sehen können, immer weniger an die glauben, die mit dieser Aufgabe bedacht sind.
Mrs Browne nun hat sich den Hass einer ganzen Nation zugezogen. 
Sie hat es meines Erachtens nach mehr als verdient.

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