Montag, 13. August 2012

Der Troll in meinem Garten

Okay, okay, es ist nicht wirklich mein Garten. Es ist der Garten meiner Eltern. Und in dem gehts nicht so ganz mit rechten Dingen zu. Sagen meine Eltern. Die Nüchternheiten in Person. Aber fangen wir am Anfang an.
Vor einiger Zeit im Herbst - vielleicht habe ich davon schon einmal berichtet - vollführten meine Eltern das übliche (lästige) Procedere, das wohl jeder Teichbesitzer kennt. Genau, den Teich winterfest machen. Filter ausbauen, reinigen, dies und jenes, schni-schna-schnuck. Nun standen also meine Eltern mit Gummistiefeln geschützt, umringt von zahlreichen, neugierigen Goldfischen mitten im Teich, und schraubten an der Pumpe herum. Ein Teil (fragt mich bitte nicht, welches, es war in länglicher Form), nahmen sie ab und stellten es neben sich unübersehbar auf einen relativ großen Stein, während der Rest geputzt werden musste. Als sie mit der Reinigung fertig waren, griffen sie nach dem Teil - und ins Leere.
Weg. 
Futsch.
Aber sowas von.
Meine Eltern dachten schon, es sei heruntergefallen, und suchten die gesamte Umgebung ab. 
Nichts.
Sogar die Möglichkeit, dass es in den Teich gefallen sein könnte, zogen sie in Betracht, obwohl sich der Stein dafür doch etwas zuuu weit vom Wasser entfernt befand.
Das Ende vom Lied - das Teil wurde nicht wieder gefunden und die Pumpe lief mit einem Ersatzteil.
Der Winter kam und es schneite, schneite, schneite.
Der Frühling kam und es taute.
Eines Morgens blickte meine Mutter aus dem Fenster, die Sonnenstrahlen tanzten auf der schmelzenden Eisfläche... und da war es.
Das Verbindungsstück.
Auf dem Stein.
Genau da, wo sie es vergangenen Herbst hingestellt hatte, in exakt derselben Position.
Erst dachte sie, mein Vater habe sich einen schlechten Scherz mit ihr erlaubt, doch wusste sie instinktiv, dass er so etwas nicht macht. Hatte er auch nicht. Er war genauso verblüfft und schwor hoch und heilig, vollkommen unschuldig zu sein.
Somit blieb die Geschichte ungelöst und wir alle nahmen es als unerklärlich hin.
Bis es vor einigen Wochen wieder geschah, wenn auch mit anderen Utensilien...
Meine Mama hat sich, inspiriert durch meine schwache Ader für Gartenkitsch *hust*, drei Gartenstecker mit Metallfröschen darauf gekauft. Zwei der Frösche platzierte sie am Teich, den dritten im Garten selber.
Eines Morgens ging sie am Teich entlang, blickte auf die beiden Stecker - und sah nur noch einen Frosch. Der zweite fehlte komplett, es ragte nur noch der nackte Spieß aus dem Boden. Sofort rief sie meinen Papa, der umgehend die Treppe herunter eilte und sich mit ihr auf die Suche nach dem verschwundenen Metallquakerich machte.
Nichts.
Sie suchten wirklich komplett alles ab, gingen um den ganzen Teich, schauten unter die Bäume, ohne eine Erklärung zu haben, wie der Frosch sich von der Stange gelöst haben und dann auf Nimmerwiedersehen verschwunden sein könnte. Wäre beispielsweise ein starker Wind in der Nacht gegangen und der Frosch wäre nicht gut befestigt gewesen, ja, und wenn der Frosch dann noch in relativer Nähe auffindbar gewesen wäre, dann, vielleicht dann...
Doch der Frosch blieb verschwunden.
Meine Eltern dachten schon, irgendwelche Jugendliche hätten sich einen Spaß erlaubt, doch da praktisch jeder im Ort weiß, dass wir einen großen Hund haben, der sofort anschlägt, traut sich das keiner.
Ihr ahnt, was kommt?
Richtig.
Nur wenige Tage später lag jener ominöse Frosch genau neben der Stange unter den Ästen eines Baumes, wo meine Eltern zuvor keine Ahnung wie oft schon gesucht hatten.
...
Als ich neulich wieder zu Besuch war, erzählten sie mir von dem Ereignis und hatten dabei beide sichtlich eine Gänsehaut. Dennoch versuchten sie, es mit Galgenhumor zu nehmen und meinten, am Teich müsse wohl irgendwie ein Tor zur Parallelwelt existieren und jemand von drüben mache sich damit eine Mordsgaudi.
Nun ja, wer weiß?
Ich jedenfalls meinte gleich, das höre sich nach einem kleinen Troll an. Allerdings hätte ich die vielmehr in Irland und Schottland vermutet und nicht unbedingt in unserem Kuhkaff an der Grenze zu Österreich.
Vielleicht ist ja gerade einer auf der Durchreise oder besucht seine alte Freundin, die Landmaus?

Wir wissen es nicht und können uns das alles nicht erklären.
Man darf gespannt sein, was wohl als Nächstes verschwindet und wieder auftaucht.

                                      
 

1 Kommentar:

  1. Liebe Emily, ein ähnliches Erlebnis kenne ich auch und möchte Dir von erzählen. Ich war da noch Kind, als mir eine große Rolle Klebenband vom Tisch rollte und verschwand. Ich suchte viel intensiver als es so einem Gegenstand angemessen wäre, denn ich fühlte mich herausgefordert: "ES KANN DOCH NICHT SEIN ... !" Die Rolle tauchte nie wieder auf. Sehr unwahrscheinlich ist die Möglichkeit, daß ich das Klebeband später zufällig fand und gedankenlos weiterverwendete, denn ich hatte das nicht vergessen als wir mehr als ein Jahr später in dem Zimmer den Teppich wechselten, mit Abrücken der Möbel und allem. Die Rolle blieb verschwunden. Immerhin blieb mit von diesem Kindheitserlebnis ein kleines neugieriges Mißtrauen gegenüber der Realität. :-)
    Viele Grüße vom Schatten aus Marburg

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