Mittwoch, 9. Mai 2012

Das Bikinifiasko oder Was ist nur mit den Größen los?


Okay, ich will nicht übertreiben.
Doch soviel, wie jetzt, hatte ich zuletzt 2006 auf der Waage. Und das geht gar nicht.
Wer ist schuld?
Ich, klar, da mach ich mir nix vor. Das kann ich ändern.
Ein schlimmes 2011 mit zweimal 8-10 Kilo runter und wieder rauf durch Stress und Medikamente.
Den Stress habe ich geändert, die Medikamente müssen bleiben. Erstmal, leider.
Und ein Freund, der zu Mittag ein ganzes Pferd verschlingen kann, drei Stunden später maunzt "Ich hab schon wieder Hunger", dabei drahtig ist ohne Ende und sich dann zu Kocharien in die Küche verzieht, die geschmacklich mit jedem Sternerestaurant locker mithalten können. Auch das kann ich ändern. Aber nur durch Selbstdisziplin.

Als ich Aljoscha gestern sagte, dass ich kein Fleisch mehr essen mag, rollte er mit den Augen, seufzte und nahms geschlagen hin. Seine Mutter ist seit ihrem 16ten Lebensjahr Vegetarierin, er ist also damit aufgewachsen und kennt das Ganze aus dem Eff-Eff. Natürlich wird dadurch sein inneres Rezeptbuch zwecks gemeinsamer Kochabende beschnitten, aber es gibt ja auch Alternativen. Zudem akzeptiert er, dass ich probeweise Firmen wie zum Beispiel Nestlé, Procter & Gamble, Unilever usw. meiden möchte. Da kamen wir - kurze Anekdote - gestern schon in die erste Bredouille, als es um das Thema Mayonnaise ging. Er griff zu Thomy, ich monierte, das sei Nestlé, er darauf, dass das die einzige Mayo sei, die ihm schmecke - tja, was nun? Wir schlossen einen Kompromiss. Ich werde in Zukunft alles, was mich betrifft, nach meinen Regeln handhaben, und bei den Dingen, die uns beide gleich betreffen, nicht ganz so strikt sein. Ehrlich gesagt, außer der Mayo fällt mir da auch grad nichts anderes ein. Aljoscha dagegen hat nicht lang gefackelt, sondern das Glas aus seiner Tasche bezahlt, so dass ich ein "reines" Gewissen haben konnte. Man merkt, es ist nicht so einfach, das alles auf die Reihe zu bekommen, und benötigt schon ein wenig Übung, doch wenn beide einander respektieren, dann kann das klappen.

Aber nun zurück zur gestrigen Katastrophe. Da es bald in den Urlaub geht, wollte ich mir einen neuen Bikini gönnen. Bissl sparen muss man auch, also erstmal probeweise ab zum C&A, die machen ja grad überall dicke Werbung. Mann, das war vielleicht ernüchternd. Es gab erstmal nur zwei Bikinis, die mir einigermaßen gefallen hätten, tja und dann musste ich feststellen, dass selbst in Größe 42 alles zwickte und zwackte, quoll und schwoll. Dabei mache ich mittlerweile Kampfsport und habe hier und da schon gute Muskelansätze. Nur Bauch und Po, die lassen mich hängen. Oder hängen selber, wie mans eben sieht. In Klamotten wirke ich nicht dick, sondern normal, und eigentlich denke ich auch, eine Figur zu haben, die okay ist, aber wenn man dann solche "Fetzen" anprobiert, die uns Kundinnen als Non Plus Ultra präsentiert werden, ist man sehr geneigt, augenblicklich in Magersucht und Bulimie abzustürzen. Gleichzeitig. Trotzdem ich derzeit mit meinem Gewicht kämpfe, habe ich irgendwie das dumpfe Gefühl, die Firmen haben die Größen mit der aktuellen Kollektion zusätzlich eine Nummer nach  oben korrigiert *hmpf*

Bei Galeria Kaufhof sah es nicht besser aus. Nichts passte! Ich wurde fast narrisch. Bei der Garderobendame gab ich meine Frustfetzen ab und regte an, man solle doch neben den Bademoden Schusswaffen anbieten, dann könne man sich nach der Anprobe gleich problemlos beim Grabbeltisch die Kugel geben. Die Dame schaute mich mitfühlend an und meinte tröstend "So schlimm?"
Nein. 
Noch schlimmer!
Aber ich gab nicht auf und griff - was blieb mir Anderes über? - zu einem teureren, grau-schwarzen Schnürbikini von Puma. Halleluja, damit konnte ich mich wenigstens vor den Spiegel trauen, ohne dass jener gleich zerbrach. Er sitzt zwar nicht ganz optimal, aber könnte durchaus schlimmer sein.

Als ich das Kaufhaus endlich verließ, waren ganze drei Stunden vergangen und mir der Latte Macchiato, den ich mir eigentlich im Anschluss hatte genehmigen wollen, ebenso.
"Das gibts doch nicht", schoss mir immer wieder durch den Kopf, "gibts denn nur noch Bohnenstangen auf der Welt?" Echt, ich zweifelte wirklich an meinem Verstand. Das dauerte allerdings nicht lange an, denn nur fünf Minuten später stand eine Frau vor mir an der Ampel, die entweder eine hyperaktive Schilddrüse besitzen muss oder tatsächlich eßgestört ist. Sie war vielleicht 1,85 groß und ihr Oberschenkel so dünn wie - ungelogen - mein linker Unterarm. Ein wirklich furchtbares Bild, das mich sofort in die Realität zurück beamte und in mir den Widerstand weckte, so nie werden zu wollen, ein Opfer der Modeindustrie und des beknackten Schönheitswahns. Ja, manchmal wirkt so eine Konfrontation tatsächlich Wunder.

Trotzdem fühle ich mich derzeit in meinem Körper nicht so wohl, wie ich es gerne hätte. 
What to do?
Zweimal die Woche betreibe ich 90 Minuten intensiven Kampfsport. So weit, so gut. Jetzt heißt es zudem, sich gesünder zu ernähren - was sowieso schon geplant war - als auch den wunderbaren Kochkünsten meines Freundes hin und wieder zu widerstehen (schließlich will ich im Urlaub nicht von Tierschützern zurück ins Meer getragen werden *oi*).

Und, das ist wohl das Wichtigste, sich dabei nicht verrückt machen lassen von all den "heißen" Bienen auf den Werbeplakaten, die sowieso zu 80% photogeshoppt sind, oder von Bikinihöschen, in denen eine 42 steht, die aber 2011 noch eine 38 waren.  

Dann klappt das auch. 
Ganz sicher.



Kommentare:

  1. Ich glaube, damit hast Du vielen von uns aus der Seele gesprochen!

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  2. Lass Dich nicht wahnsinnig machen! It's all about Photoshop. Und den Rest schminken wir weg ;)

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