Donnerstag, 5. Januar 2012

Sweet little lies

Gestern flimmerte sie über unsere Bildschirme - die Rechtfertigung unseres Bundespräsis Wulff, mit Spannung erwartet und kritisch beäugt. Neulich erst haben Aljoscha und ich uns über dieses Thema unterhalten, damals gab es allerdings noch nicht die Fülle an Infos, die uns jetzt jeden Tag per Schlagzeile entgegenspringen (ich persönliche warte ja nur noch auf die Headline "Wulff drohte auch der 'Frau im Spiegel' "). Aljoscha meinte, es sei ihm total egal, wo Herr Wulff geurlaubt hat, und wenn es bei Freunden gewesen sei, die rein zufällig ne schnieke Villa leer stehen hatten, was kümmerts uns? Würden wir das nicht auch so machen?
Jup, auf jeden Fall, da hat er Recht.
Mein Gegenargument, das ich zu bedenken gab, war, dass es nicht vorrangig um irgendeinen Urlaub bei Freunden gegangen sei, sondern dass im Zuge solcher "Geschenke" sicher auch finanzielle wie auch politische Motive eine nicht unbeachtliche Rolle spielten, sei es mal das Zuschustern eines Auftrages hier oder die Bevorzugung bei einer Vergabe dort. Und dass, wenn Misjö Bundespräsident nichts zu verbergen hat, er auf die Frage, ob er geschäftliche Beziehungen zu einem gewissen Herren pflegt, das doch problemlos hätte zugeben können. Die spätere Ausrede, dass man nicht explizit in jener Frage nach der Gattin des Freundes gebohrt habe, ist in meinen Augen nichts weiter als Haarspalterei (auch wenn man jene Logik sicherlich nicht von der Hand weisen kann - nur darf man vom höchsten Mann im Staat nicht ein wenig mehr mentalen Weitblick verlangen?).
Heute nun kam zudem heraus, dass sich unsere von uns allen offen geschmähte und heimlich doch gelesene Bild zur Wehr setzt und genötigt sieht, den originalen Wortlaut jenes heiss diskutierten Drohanrufs zwecks Artikelverhinderung (was es ja laut Präsi nicht gewesen sei) zu veröffentlichen. Artig wie selten bat man Wulff schriftlich um Erlaubnis. Der legte seinVeto ein.
Nicht klug, Mister President.
Gar nicht klug.
Anlässlich dieses Affentanzes um Vorzugszinsen bei Kreditvergabe (sorry, das ist für mich scheinheilig, nach dem Motto "Wasser predigen und Wein trinken" - die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer), ominöse Urlaubsreisen und mysteriöse Telefonate mit diversen Redakteuren fiel mir auf, dass mich diese Debatte gerade deswegen interessiert, weil ich genau jenes Verhalten derzeit live in meinem Umfeld erlebe. Natürlich geht es nicht darum, Pontius und Pilatus sein Tagebuch zu öffnen und allerlei pikante Details auf Facebook und Co. zu verbreiten, ein wenig Privatsphäre hätten wir dann doch alle gern noch.
Es geht vielmehr darum, dass jemand, der nichts zu verbergen hat, sich - je nach Dringlichkeit der Problematik - auch einem solchen Anliegen reinen Gewissens stellen kann bzw. könnte (dies ist natürlich nur meine persönliche Meinung, andere Ansichten gelten selbstredend auch). Egal ob in der Politik, der Wirtschaft, der High Society oder privat, jeder kann mal daneben hauen, egal welches Amt man bekleidet, schliesslich ist niemand fehlerfrei. Nur dann nicht mal den Mumm zu haben, sich entsprechend zu stellen und zu sagen "Ja, da hab ich Mist gebaut", dies ist, was meine Sympathie radikal auf den Gefrierpunkt fährt. Bei Herrn Wulff und natürlich auch privat (wobei da eh nicht mehr viel über ist, aber das ist eine andere Geschichte).
Als Schluss sei an dieser Stelle ein wirklich kurzes und dabei überaus treffendes, jüdisches Sprichwort angeführt:
"Ein Geheimnis geht in die Hosen."
In diesem Sinne - mögen die Betroffenen ihre Hintern gut mit Watte gepolstert haben.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen