Dienstag, 8. März 2011

Dummheiten

"Wenn man schon Dummheiten macht, dann müssen sie wenigstens gelingen."
(Napoleon)

Einer meiner zwei Lieblingssprüche. Der andere ist der mit der Pralinenschachtel aus Forrest Gump, meinem Lieblingsfilm, aber das nur nebenbei.

Gestern Abend hab ich aus Verzweiflung heraus eine Dummheit gemacht, die zwar nach rein praktischen Aspekten gelungen ist und auch ihren Zweck erfüllt hat - somit eindeutig als gelungen verbucht werden kann -, von der mir jedoch als eigentlich selbstliebender Mensch sogleich klar war, dass sie sich nicht wiederholen darf. Ich meldete mich umgehend bei einem Freund, von dem ich der Meinung war, er sei am ehesten in der Lage, mir gleich kräftig den Kopf zu waschen. Denn genau das ist es, was ich derzeit wohl brauche. Es tut unwahrscheinlich gut, in den Arm genommen zu werden und gesagt zu bekommen, dass nicht die ganze Welt draussen in Schutt und Asche liegt. Nur manchmal stösst man mit Verständnis auch an Grenzen, die nur noch mit offenen Worten und knallharter Konfrontation eingerissen werden können. Mir fällt als Vergleich - Ihr werdet gleich lachen, auch wenns eigentlich nicht lustig ist - die Geschichte eines Bekannten ein, der sich einst ein kleines Kätzchen holte, das leider ums Verrecken nicht stubenrein zu kriegen war. In seiner Hilflosigkeit - sämtliche Ratschläge, - geber und Tierarzttips hatten nicht gefruchtet - packte er die Miez im Nacken und drückte sie mit dem Gesicht in ihren eigenen Haufen. Nur kurz, damit sie schnallt, wie er sich fühlt, wenn sie ihm - Pardon - jede Nacht aufs Kopfkissen kackt. Ob Ihrs glaubt oder nicht, ab dem Tag war Ruhe im Karton, und das kleine Kätzchen ging fortan artig und problemlos auf sein Katzenklo. So kanns laufen.

Und nur, um jetzt sämtlichen Spekulationen entgegenzuwirken - nein, ich habe nicht aufs Kopfkissen gemacht.
Oder ins Bett.
Oder in sonst eine Ecke im Haus.
Was ich gemacht habe, das behalte ich trotzdem für mich. Denn auch, wenn es geholfen hat, so schäme ich mich sehr dafür. Es war nicht richtig, das ist mir klar. Naja, zumindest nach gesellschaftlichen Normen nicht richtig, denn wenn man sich da jetzt philosophisch drüber auslassen würde, sässen wir in hundert Jahren noch hier.
Jedenfalls hatte ich trotz aller Unvernunft wenigstens den Po in der Hose, jenem Freund einen Hilferuf zu senden und auch offen zuzugeben "Du, das ist ein Hilferuf, ich glaub, ich hab grad Mist gebaut." Der virtuelle Einlauf folgte auf dem Fuss, heute Abend kommt dann wohl die Live Version. Und ehrlich, ich bin nahezu froh drum. Denn jetzt ist offenbar die Zeit gekommen, wo man mich mal kräftig erden sollte. Wo Verständnis und Mitleid nichts mehr bringen, und wo knallhart an die Kämpferin in mir appelliert werden muss. Die kniet nämlich gerade, schwer verwundet auf ihr Seelenschwert gestützt, ähnlich verzweifelt wie einst Frodo, vor ihrem eigenen Schicksalsberg.

Nie hätte ich gedacht, wie stark Demütigung sich ins Fleisch fressen kann.
Wie bleischwer Zurückweisung das Herz gen Erdboden zieht.
Und wie laut Hoffnungslosigkeit ins Ohr zu schreien vermag.
Dabei geht es nicht darum, etwas zu betrauern, dass längst vorbei ist. Diesen Punkt habe ich mittlerweile überwunden.
Was mich seit Sonntag wieder um Meilen nach hinten zurück geworfen hat, ist der bisher unbearbeitete zweite Akt eines Dramas, von dem ich annahm, es sei lediglich ein kurzes Kammerspiel. Bisher dachte ich, ich müsse nur meine Trauer überwinden, der Rest fände sich schon von allein. Leider hatte ich die Rechnung ohne mein Unterbewusstsein gemacht...

Auch wenn es mir nicht gefällt, hier ständig Posts vom Trauerkeks zu veröffentlichen, da keiner von Euch miese Nachrichten am Fließband lesen mag, so ist es wohl nur fair, Euch wissen zu lassen, wie die Realität aussieht. Was bringt es, Euch von Wattewölkchen und rosa Einhörnern zu berichten, wenn mich in Wirklichkeit Gewitterstürme und Harpyen begleiten.

Ich hoffe auf heute Abend oder generell irgendeinen Abend, an dem mir gesagt wird, dass es jetzt Zeit ist, sich zusammenzureissen. An dem mir verbal der Hosenboden stramm gezogen und an meinen Stolz appelliert wird, denn das ist der Punkt, an dem man mich kriegt.
Sicher sind das alles Dinge, die ich selber weiss. Nur sie von jemand anderem zu hören, hat gleich eine ganz andere Gewichtung.

Gestern habe ich mal wieder eine Dummheit gemacht.
Und diesmal wär Napoleon gewiss nicht stolz auf mich.

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