Mittwoch, 2. Februar 2011

The way chosen...

Viele von Euch haben bemerkt, dass es die letzten Wochen sehr ruhig um mich geworden ist. Haben kommentiert, mich angetwittert und mir gemailt, was denn los sei und mich auf diese Weise wissen lassen, dass es - mehr oder weniger unbekannt, trotzdem nicht weniger herzlich - Menschen gibt, die an mich denken.
Mein letzter Post "Das Schweigen der Ponys" war, wie Shan Dark treffend geschrieben hat, zum "nichts-ganz-draus-schlau-werden". Das war keine ausgeklügelte Taktik, um Euch auf die Folter zu spannen, sondern zu diesem Zeitpunkt mein aktueller Gemütszustand. Ich befand mich in Trauer und vielleicht befinde ich mich es immer noch, auf die ein oder andere Weise.
Vor circa vier Wochen trat eine einschneidende Veränderung in mein Leben, die mich dazu veranlasste, meinen Weg in Zukunft alleine zu gehen. Solch eine Entscheidung zu fällen und sie dann auch durchzuführen, das mag für den, der zurück bleibt, sicher mit das Grausamste sein, was er je erlebt hat, und nicht selten fängt man an zu wanken, fragt sich, war das wirklich richtig? Und bevor jetzt irgendwelche Mutmassungen auftauchen, möchte ich vollkommen reinen Herzens sagen, dass diese Veränderung kein Mensch ist, denn bis zum Schluss habe ich mich an das Versprechen gehalten, was ich einst gegeben habe.
Versprechen sind so ne Sache. Das Wort alleine sagt es in sich schon aus. Man hat sich versprochen. Man hat etwas Falsches gesagt. Ein kluger User, den ich leider nicht mehr finde (bitte melden) schrieb einst "Man gibt nicht sein Wort, um es dann wieder zu brechen". Ein Satz, den ich uneingeschränkt unterstützen kann und der dennoch viel zu strikt ist, als dass er alle Graunuancen erfassen könnte.
Heisst es nicht auch, dass man geliebt und geehrt werden soll?
Was, wenn auch nur eins davon nicht zugetroffen hat?
Wer hat dann zuerst den Schwur gebrochen?
Und ist das im Endeffekt überhaupt noch von Bedeutung?
Das Schicksal ist eine Hure. Kurz, nachdem ich mich endlich auf meinen neuen Weg gemacht hatte, überstürzten sich die Ereignisse, und wer immer, egal wo, am Rädchen der Glücksmaschine drehte, er fand, dass es Zeit war, zu belohnen. Belohnen für eine so lange Zeit, die für mich so unendlich schwer und damals schon voller Trauer war darüber, dass es nicht so war, wie stets überall gepredigt und gepriesen. Denn nur zwei Hälften ergeben ein Ganzes. Wenn jedoch die eine Hälfte wie ins Nichts verschwindet, dann liegt die zweite nur nutzlos am Boden. Entweder kommt irgendwann jemand und entsorgt sie, oder er befindet, dass man damit noch prima was tun kann. Nachdem ich also den neuen Weg gewählt hatte, fand der Rädchendreher, wir geben dieser Frau noch eine Chance und schenkte mir innerhalb von nur vier Tagen ein komplett neues Obdach. Innerhalb einer Großstadt wie München, in der die Wohnungsnot aufgrund der horrenden Preise bis ins Nirwana schiesst, geradezu eine Kunst. Und wenn dann, wie in meinem Fall, auch noch gänzlich ohne Vitamin B, dann kann man einfach nur noch staunen. Ich hatte mich schweren Herzens zu einer Entscheidung durchgerungen und nun liess man mich wissen, dass sie richtig war.
Ich selber habe schon immer an die Dreierregel geglaubt. Alles, was man sagt und tut, kommt irgendwann dreifach stark auf Dich zurück. Ohne Selbstbeweihräucherung betreiben zu wollen, das, was in den letzten vier Wochen auf mich zukam, war nahezu überwältigend. Eine Wohnung, die wunderbarer nicht sein könnte, zu einem anständigen Preis in einer tollen Lage. Und sogar mit einem Garten. Ein Umzugsunternehmen, dass schneller, fairer und ja, sogar fürsorglicher nicht hätte sein können (Online-Handwerksportale rentieren sich durchaus - ich empfehle gerne weiter, wer Fragen hat, bitte per Mail). Grandiose Schnäppchen auf dem Einrichtungsmarkt, die fast schon Fata Morgana-Ausmasse annehmen. Und, das Wichtigste - Freunde, die selbstlos zur Seite stehen, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit, mit allem, was der Neustart so braucht.
In einem vorherigen Post schrieb ich davon, dass Freunde in Not die Pest sind, man ihnen aber trotzdem hilft. Diesmal war ich die Pest. Und was für eine.
Doch ungeachtet dessen brachen in für mich schier überwältigender Anzahl so viele Hilfsangebote ein, die mich bis ins Innerste berührten. Dabei waren es überraschenderweise gerade die Menschen, mit denen ich am wenigstens gerechnet hatte. Mein Vater meinte neulich, "Mensch Emily, Du hast aber viele Freunde." Ich musste ihm erstaunt recht geben. Bisher war immer ich diejenige, die half, wo es ging, und wenn es drauf ankam, ließ man mich sitzen. Diesmal war es komplett anders und ich kann immer noch nicht fassen, wie viele Menschen es offenbar dort draussen gibt, die mich mögen und mit mir durch Dick und Dünn gehen. Seid gewiss, ich werde Euch das nie vergessen und meine Tür steht immer für Euch auf. Danke.
So eine Sache nahezu komplett innerhalb von nur vier Wochen wie aus dem Nichts aus dem Boden zu stampfen, ja das ist schon eine nicht unbeachtliche Leistung. Leider hat sie auch ihre Spuren hinterlassen. Innerhalb von nur einer Woche verlor ich ganze fünf Kilo. Essen ist noch mehr ein Glücksspiel, als es das ohnehin schon war. Schlafstörungen begleiten mich seit Beginn des Umbruchs. Mich. Das Murmeltier, das sogar im Stehen neben einem startenden Düsenjet schlafen kann. Jetzt bin ich froh, wenn es mal fünf Stunden die Nacht am Stück sind. Gestern beispielsweise machte ich um 23 Uhr das Licht aus. An ist es wieder seit 3 Uhr früh. Nicht, weil ich grübel, denn das Kopfkarussell ist längst vorbei. Sondern weil mein Körper nun reagiert und mich wissen lässt, dass der letzte Monat ein massiver Raubbau gewesen ist, den er mir unter anderem an einem Tag mit der schlimmsten Migräneattacke meines bisherigen Lebens quittiert hat. An diesem Tag wollte ich wirklich nur sterben. Da ich aber meinen Freunden das Sofa nicht versauen wollte, liess ich es artig bleiben. Ich wache auf, weil ich friere und Hunger habe. Dann esse ich was, auch mitten in der Nacht, und hoffe mit der Wärmflasche auf meinem Bauch, es möge nur dieses eine Mal drin bleiben.
Nun sitze ich also hier und krabbel jeden Tag ein Stückchen weiter ins Leben zurück. Ich möchte jetzt nicht sagen "der Sonne entgegen", denn das schliesst sich ja wohl von Natur aus aus. Doch ich meistere den Alltag mit einer Kraft, von der ich nicht gedacht hätte, sie zu besitzen. Alles, was ich die letzten vier Wochen erlebt habe und was sich im Nachhinein hier und da erschütternderweise als wirklich wahr herausgestellt hat - Dinge, die ich nicht mal im Ansatz auf der Platte hatte und nun umso unfassbarer scheinen - haben in der Zwischenzeit sämtliche Zweifel an der Richtigkeit meiner Entscheidung weggefegt wie ein Sandsturm das Beduinenzelt. Es ist mir durchaus bewusst, dass auch Menschen diesen Blog lesen könnten und sicherlich auch neugierig lesen werden, von denen es mir lieber wäre, sie würden es nicht tun. Also könnte ich aufhören, darüber zu schreiben und nur noch unwichtigen Firlefanz verbreiten. Aber das sehe ich nicht ein. Das, was ich mir erkämpft habe, ist zu kostbar, als es nicht angemessen zu würdigen, und zu wichtig, als dass ich es in einen Elfenbeinturm sperren würde.
Ich hege keinen Groll. Mehr.
Ich fühle kein Bedauern. Mehr.
Ich wünsche nur das Beste. Wieder.
Und dass vielleicht der ein oder andere durch diesen Text ermutigt wird, sein Leben zu leben, wie es richtig für ihn ist. Auch, wenn es verdammt viel Kraft kosten und sicher keine Rutschpartie auf flauschig rosa Wattewölkchen werden wird.
Wichtig ist, was unterm Strich raus kommt.
Wichtig ist der Weg, den Ihr Euch wählt.

Maulwurf

1 Kommentar:

  1. ...wichtig ist auch, dass man sein persönliches Glück wiederfindet (denn - Achtung einer meiner Lieblingssprüche kommt jetzt: Jeder ist seines Glückes Schmied. Außer bei Krankheit trifft das immer zu). Glück und Zufriedenheit wiederzufinden dauert nach so einer Enttäuschung ja wirklich seine Zeit. OK, dann mal piano...krabbel dich langsam nach vorn!

    Ich bin froh und dankbar, dass Du einen sehr persönlichen Einblick gibst. Halte die Ohren oben und ich wünsch dir viel Kraft und weiterhin so gute Freunde.

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