Montag, 14. Februar 2011

Von Poltergeistern und menschlichen Raubtieren...

Letzte Nacht hat mir den Rest gegeben. Zumindest körperlich. Stimme wie ein alter Säufer (ich will nichts hören!), keine Kraft mehr, zwei Treppenstufen hoch und mir geht die Puste aus. Dazu Spannungskopfschmerz, Halsschmerz und eine langsam zum laufen anfangende Nase. Na war ja klar, jetzt kommt die Quittung für die letzten Wochen Power aus allen Rohren. Gut, das war absehbar und ist nichts, was grossartig dramatisch wär.
Wenn, ja wenn mich die Begleitumstände von heute nicht doch etwas beunruhigen täten. Ab 2 Uhr war die Nacht vorbei, gerade knapp vier Stunden geschlafen. Ja sicher. Also versucht, wieder einzuschlafen, nix ging, bisserl Musik gehört und schwupps war ich um 4 Uhr wieder weg. Zumindest hab ich da das letzte Mal auf die Uhr geschaut.
Was im Anschluss passierte, würde ich für mich als gänzlich neue Hausnummer betiteln:
Gestern Nacht war ich in zwei Ländern (ich hatte zunächst Kontinente geschrieben, weil ich die räumliche Trennung verdeutlichen wollte, doch der Korinthenkacker in mir liess mir keine Ruhe *seufz*). Das ist ungewöhnlich, bisher wars pro Nacht maximal eins. Überhaupt, gäbe es für mentale Reisen reale Bonusmeilen, ich könnte schon locker 5x First Class auf die Malediven fliegen.
Zunächst war ich in Schweden, in irgendeinem Bauernkaff am allerletzten Winkel des Landes. Trotzdem nicht uncharmant, das Fleckchen Erde. Ich befand mich im hellen Haus einer Grossfamilie, die mich wissen liess, dass immer wieder Sachen verschwinden oder zerstört würden und dass sie sich dort nicht mehr wohlfühlen.
Oh Mann.
Ein Poltergeist.
Einmal ist immer das erste Mal.
Ich habe mir dann das Haus und das Grundstück angeschaut und bin ins Dorf, ein paar Informationen holen. Einer der Dorfältesten berichtete mir, man hätte dort auf dem Land kein Haus errichten dürfen, es sei verwunschen. Ach super, haben wir das nicht schon geahnt? Im Haus zurück bin ich nochmal alles abgegangen, und siehe da, im Schlafzimmer der Eltern wurde ich fündig. Dort stand ein kleiner, leicht untersetzter Mann in einem dunklen Anzug mit dem Rücken zu mir und blickte immer wieder nach links unten und dann nach rechts oben. Ich fragte ihn, was er da täte und er meinte, ob ich das nicht sehen könne? Was ich im Anschluss bei genauerem Hinschauen erkannte, war der Strick, der rechts über ihm baumelte, und er erklärte mir, dass er einen Menschen getötet habe, der links neben ihm liegen würde. Das tat er zwar nicht, doch spürte ich Reste dessen ehemaliger Präsenz. Der Mann ging nicht auf das Geschehene ein und ich fragte nicht weiter, um ihn nicht zu verschrecken. Er berichtete mir, dass er sich im Anschluss an die Tat direkt neben der Leiche erhängt habe, als ihm das Ausmass der ganzen Situation klar geworden war. Ich fragte ihn, ob er seine Tat bereue, und als er bejahte, hatte er Tränen in den Augen. Daraufhin meinte ich, dass dies die beste Voraussetzung dafür sei, sich nun vom Geschehenen zu lösen und sich fortan um sein eigenes Seelenheil zu kümmern. Ein wenig ängstlich blickte er mich an, dann fragte er mich, ob ich ihm helfen würde. Das allerdings, erwiderte ich, könne nur er selber. Er solle aufhören, sich an die Endlosschleife Mord-Strick-Mord-Strick zu krallen und einfach loslassen. Hierauf lächelte er und meinte, er würde da ein Licht sehen. Ich dachte mir zwar, oh Mann ist das kitschig, wie in den Schnulzen, aber hey, wenns tatsächlich stimmt, bin ich die Letzte, die darüber urteilt. Sein erster Versuch, hinüberzugehen, war etwas ungelenk und scheiterte, da er sich noch nicht gänzlich gelöst hatte. Doch er gab nicht auf und meisterte den zweiten Anlauf. Er "flog" nach draussen, über die hohen Tannen hinweg und war fort. Sofort kehrte in dem Haus ein Friede ein, der vorher nicht existiert hatte.
Noch ehe ich mich über die Erlösung des Mannes freuen konnte, machte der Traum eine 180 Grad Drehung, und ich fand mich in einem anderen Haus wieder. Diesmal war alles anders. Die Stimmung war düster und bedrohlich. Das Haus war innen komplett mit einem dieser - meinem Geschmack nach - furchtbaren dunkelgrünen Teppiche verkleidet, die in den 70ern mal modern gewesen sein müssen. Ich machte mich langsam auf, das Haus zu erkunden, und fand überall in den Zimmern, auf den Gängen und den unzähligen Treppen merkwürdige kleine Tiere, die sich gegenseitig auffrassen. Komischerweise zeigten sie an mir keinerlei Interesse, und wer solche Träume kennt, der weiss, dass man normalerweise darin immer selber auf der Speisekarte steht. So schlich ich also von Zimmer zu Zimmer und spürte, dass ich nicht mehr in Skandinavien war. Nur wo war ich denn?
Als ich auf einer Art Empore ankam, zu der eine lange Treppe herauf führte, erhielt ich des Rätsels Lösung. Ein grosser, schlanker Mann mit kurzen dunklen Haaren und ebenso dunklen Augen schritt die Stufen zu mir empor, sein langer schwarzer Mantel wunderbar kontrastierend zu dem blutroten Hemd. Ich glaube sogar, eine rote Rose im Knopfloch entdeckt zu haben. Doch trotzdem dieser Mann optisch zum Niederknien war und bei jedem Modelcontest hätte mitmachen können, besaß er die Aura eines Raubtiers und ich wusste sofort, Emily, dem darfst Du unter keinen Umständen trauen. Als hätte er meine Gedanken gelesen, setzte er sein schönstes Colgate-Lächeln auf und hiess mich zunächst auf charmante Art in Russland willkommen. Russland? Ach, was solls.
Als ich vorsichtig fragen wollte, was das hier zu bedeuten habe, reichte der schöne Mann mir zur Begrüssung seine Hand und meinte, er freue sich, mich endlich kennen zu lernen, er habe schon seit Längerem Interesse an mir. Aufgrund dieser Aussage zögerte ich, seine Hand zu ergreifen, denn ich spürte, wenn ich das jetzt mache, dann passiert irgendwas, was mir ganz und gar nicht gefällt. In dem Moment beging der Unbekannte, offenbar aus Ungeduld oder vielleicht auch aus reiner Selbstüberschätzung heraus, einen für ihn sehr dummen Fehler - er nannte mir seinen Namen.
Sofort setzte ich all die wenigen, mir bisher bekannten Methoden ein, um schnellstmöglich die Verbindung zu kappen und aus dem Traum aufzuwachen.
Heilige Scheisse.
Rasputin.
Na der hat mir gerade noch gefehlt...

scardescardescarde

Kommentare:

  1. about:dreams
    Liebe Emily, also ich bin erstaunt wie oft, wie präzise und wie lange du dich an deine Träume erinnern kannst, mögen diese nun furchtbar sein oder schön. Dein Unterbewusstsein und dein Bewusstsein pflegen wohl einen engen Kontakt miteinander. Ich finde das gut. Bei mir ist das nicht so der Fall. Wenn ich mich nach dem Aufwachen an etwas erinnere ist meistens alles recht nebulös und lückenhaft sowie unlogisch und bizarr wenn ich im Wachzustand über den vergangenen nächtlichen Traum nachdenke. Solche Traumerinnerungen belustigen oder erschrecken mich dann zwar aber verursachen auch Ratlosigkeit (Wieso habe ich das geträumt?). Es gibt aber auch Ausnahmen. Selten, aber es kommt vor. Manche Träume haben eine so grosse Bedeutung für die Seele dass ich danach relativ schnell aufwache und das Bewusstsein den Traum zu fassen bekommt. Diese Träume lassen sich auch deuten und sie bewirken eine Veränderung in mir. Ich habe die Erfahrung gemacht dass die (Selbst-)Erkenntnisse die so ein Traum dem Bewußtsein übermittelt extrem wertvoll sind. Diese „besonderen Träume“ helfen mir Dinge zu begreifen, zB. Dinge gegen die das Bewußtsein die Augen verschließt. Sie sind der geheime Schlüssel um seelische Probleme zu lösen oder sie wenigstens zu lindern oder eine Richtung aufzuzeigen. Hätte ich sie nicht wäre ich verloren, so bin ich froh sie zu haben und schätze sie sehr.

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  2. Gehört zwar nicht zum Thema, aber bittesehr: http://tialdaliest.wordpress.com/2011/02/18/rezension-auserwahlt-die-linie-der-ewigen-von-emily-byron/

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