Samstag, 18. Dezember 2010

Von der Macht der anderen Seite

Diesen Post habe ich schon vor einigen Stunden geschrieben und lange mit mir gerungen, ob ich ihn wirklich veröffentlichen soll. Er bietet diesmal einen etwas ernsteren Einblick in mein Leben und für solche, die mir nicht wohlgesonnen sein könnten sicher eine willkommene Angriffsfläche. Aber dann habe ich mich gefragt, kümmerts mich denn, was Andere denken? Die Antwort - nur dann, wenn sie mir persönlich was bedeuten. Diejenigen von Euch, die diesen Blog lesen, lesen ihn zudem aus Interesse und nicht, weil sie auf irgendwelche Entgleisungen meinerseits lauern (falls doch - please, get a life). Von daher habe ich mich entschlossen, Euch einmal etwas genauer hinter die Kulissen blicken zu lassen. Was Ihr damit macht, liegt ganz allein bei Euch...

Derzeit ist es wieder soweit - man verfolgt mich in der Nacht, und mindestens einmal schrecke ich hoch, fummle in Panik das Licht an und brauche dann eine ganze Weile, bis ich mich wieder beruhigt habe. Seit zwei Nächten nun "geniesse" ich anstatt erholsamen Schlafes wieder die schlimmsten Traumattacken. Es ist schwierig, sie Außenstehenden zu beschreiben beziehungsweise sie ihnen ansatzweise verständlich zu machen, denn wenn man so etwas nicht selber erlebt hat, kann man es nur erahnen, aber nicht wirklich nachfühlen (ich würde ja auch nie behaupten, zu wissen, wie sich jemand fühlt, der beispielsweise nach einem unverschuldeten Unfall mit lebenslangen Schäden geschlagen und dadurch in die Armut abgerutscht ist).
Soeben habe ich meinem Mann berichtet, was sich heute Nacht zugetragen hat. Zum Einen, weil er mir zwar nicht helfen kann, aber einfach zuhört. Auch das ist irgendwie schon eine kleine Hilfe. Und zum Anderen, weil er dieses Mal selber eine tragende Rolle gespielt hat. Oder auch nicht, da bin ich mir nicht wirklich sicher. Jedenfalls hat er erst gelacht, dann große Augen gemacht und gesagt "Das ist wirklich Wahnsinn, was bei Dir passiert. Wo kommt das nur her?" Tja, die Frage war eher rhetorisch, die Antwort kennen wir eigentlich beide, aber immer schön der Reihe nach...
In meinem Traum erhielten mein Mann und ich eine Einladung der katholischen (ja, es war konfessionsbezogen) Kirche. Zu einem Essen. In der Kirche selber. Öh... ja. Mir kam das schon etwas merkwürdig vor, doch mein Mann wollte unbedingt hingehen. Auch dieser Umstand mehr als seltsam. Ich persönlich fühlte mich bei der Sache gar nicht wohl, aber ein braves Frauchen macht in einer Ehe schon mal ab und zu nen Kompromiss und steckt zurück. Also gingen wir in diese Kirche. Das gesamte Schiff war umgebaut zu einer Art Gasthaus und hatte einen gewissen Mittelalterstil. Dort angekommen stellte sich heraus, dass das "Essen" zu Ehren (?) eines Leichnams stattfand. Nun ja, eben ein ungewöhnlicher Leichenschmaus, warum nicht. Als ich die Leiche dann allerdings sah, wusste ich schlagartig, dass hier was nicht stimmt. Der Verstorbene war ein vielleicht gerade mal zehn Jahre alter Bub, dessen sterbliche Überreste schon fast vollkommen verwest waren. Um den Anblick erträglicher zu machen, hatte man ihn mit Wachs überzogen und "konserviert", man kennt das ja von manch ausgestelltem Heiligen. Ich persönlich habe mit sowas kein Problem, doch empfand ich das ganze nicht als passendes Ambiente, um eine Art "Live-Festschmaus" zu begehen. Umso schlimmer, als sich heraus stellte, dass der Bub sexuell missbraucht und anschliessend ermordet worden war. Ich weiß noch genau, wie ich mich im Traum fragte, wie mein Mann das ganze Brimborium dieser Kirche nur gut heissen konnte. Für mich war es im wahrsten Sinne unverständlich und geschmacklos. Langsam dämmerte es mir, dass das vielleicht gar nicht mein Mann sein könnte, der mir gegenüber saß, sondern ein bestimmer Platzhalter...
Den Rest gab mir dann, als ich bemerkte, wie sich, je mehr mein Mann von seinem Teller verputzte, hinter ihm allmählich die Wachsschicht vom Leichnam löste und die Verwesung zu Tage trat. Da stand ich auf und gab vor, auf die Toilette zu müssen. Leider konnte ich sie nicht finden (na diese Traumsequenz kennt wohl jeder), landete irgendwann in einem Hinterhof und später quasi im Keller der Kirche, der einerseits hell erleuchtet und gleichzeitig auch rabenschwarz war. Dort unten lauerte etwas, wartete auf mich und sah in mir seine Chance, aus der Dunkelheit herauszukommen. Ich nahm die Beine in die Hand und lief wieder hoch ins Kirchenschiff, hinaus ins Freie - und wachte auf.
So, nun erstmal kurz durchschnaufen (ich denke, man kann jetzt einigermassen nachvollziehen, warum ich generell sehr viel Schlaf brauche. Über die Hälfte meiner Zeit, die ich mit schlafen verbringe, ist von solchen Erlebnissen geprägt und deshalb nicht die Bohne erholsam).
Träume bzw. Attacken dieser Art verfolgen mich schon seit meiner frühesten Kindheit. Ich habe noch so viele davon als Erinnerung auf ewig auf meiner internen Festplatte gespeichert, damit könnte ich allein ein ganzes Horrorbuch füllen. Mancher Hobby-Freudianer könnte sich jetzt genussvoll in diversen Theorien wälzen und Vermutungen über meine Kindheit anstellen. Ein gut gemeinter Rat, spart Euch diese Mühe. Ich weiss genau, woher diese Sachen kommen und sie haben ganz und gar nichts mit meinem jetzigen Leben zu tun. Meine Kindheit war knorke, meine Eltern haben mich ganz doll lieb und sind auch heute noch verheiratet. Dinge, die so nicht jeder von sich behaupten kann. Der Schlüssel liegt im Vergangenen und es hat eine ganze Weile, viele Anstrengungen und eine stundenlange wie psychisch grausame "Sitzung" gedauert, bis ich ihn gefunden hatte. Genaueres möchte ich nicht daüber schreiben, vielleicht ein anderes Mal, wenn ich das Gefühl habe, die Zeit ist endlich reif dafür. Was ich Euch sagen kann, ist, dass ich die Geschichten von einem früheren Leben einst gerne hingenommen, aber nie so richtig ernsthaft erwogen habe. Bis zu dem Tag, an dem ich mittels einer ganz speziellen Nachricht erkennen musste, hoppala, dem solltest Du jetzt doch mal nachgehen. Es muss - wie mein Mann oben sagte - schießlich irgendwo herkommen, dass ein (damals) vierjähriges Kind schon regelmässig von Blut, Eingeweiden und grausamsten Wesenheiten unbekannter Art träumt. Und nein, meine Eltern haben mich damals nicht Alien gucken lassen. Gut, sie haben mich mit auf die Jagd genommen, was mich sicher nachhaltig geprägt hat in Sachen Innereien und Co. Dennoch ist die Komplexität und Regelmässigkeit der damaligen Träume wie auch die Tatsache, dass sie auch 30 Jahre später noch beständig auftreten, vielmehr ein Indiz dafür, dass einst eine Tür geöffnet wurde, die seitdem nicht mehr richtig schließt. Ein Indiz, das sich mittlerweile (leider?) bewahrheitet hat und verbucht werden kann unter dem Titel "Die Geister, die ich rief"...
Mit dieser Erkenntnis habe ich mich vor Langem abgefunden und lebe nun damit, dass es manche Nächte gibt, die wunderbar sind, denn die Kontakte jeglicher Art verlaufen harmonisch und einvernehmlich. Und dann gibt es auch wieder Nächte, wo das, was hinter der Tür lauert, echt scheiße gelaunt ist und gleich noch einen Kumpel mitgebracht hat, der in mir als Tor ins Diesseits eine Riesenchance für sich sieht und umso intensiver nach mir greift. Das sind dann die Phasen, in denen ich am Abend das ein oder andere Glas Rotwein brauche, um wenigstens einigermassen meine Ruhe zu finden. Dabei ist es wichtig, genau das Level zu halten, welches mich so betäubt, dass ein Kontakt nicht möglich ist. Der Grat ist extrem schmal, denn - wie bereits in "Ein Systemabsturz und seine Folgen" geschrieben - ein zuviel an Alkohol fährt mein Schild wieder so weit runter, dass nicht nur einer oder zwei, nein gleich alle, die gerade da sind, mit voller Wucht auf mich einstürzen. Das Geschrei ist dann nahezu ohrenbetäubend und manches, was mir gesagt wird, will ich beim besten Willen gar nicht hören.
Den heutigen Traum betrachte ich im Nachhinein als eine Art Messe zur Anrufung einer Energie, allerdings kann ich nicht sagen, ob sie in den Körper des Jungen schlüpfen sollte oder gar dessen Seele selber war. Auch vermag ich nicht zu beurteilen, ob es eine schwarze Messe war, denn nicht alles, was grausam anmutet, ist gleichzeitig schlecht und schwarz. Es gibt da so viele feine Abstufungen, dass man schon sehr vorsichtig beim Auftragen dieses Stempels sein muss. Fakt ist, dass mal wieder ich auf irgendeine Art und Weise als Katalysator dienen sollte und mein Mann nicht wirklich mein Mann war, sondern jemand, der mich so zum Ort des Geschehens köderte.
Wenn ich eins in den letzten Jahren gelernt habe, dann im Traum rational zu denken und mir bewusst zu sagen "Das ist gerade nur ein Traum, Du kannst ihn selbst beinflussen." Zugegeben, leider gelingt mir diese Manipulation nicht immer, denn wenn Gefühle wie Angst und Panik regieren, hat klares Denken keine Chance. Doch wenn ich von fünf Träumen vier kontrollieren kann, ist das ein nicht gerade schlechter Schnitt. Der fünfte Traum allerdings, der rächt sich dann für die anderen vier.
Man merkt, ich bin noch aufgewühlt. Nun warte ich gespannt auf eine bestimmte Lektüre, die dieser Tage eintrudeln wird. Von der erhoffe ich mir ein wenig mehr Hintergrundinfos allgemein wie auch den ein oder anderen Rat.
Jedenfalls, so lange mir diese Träume nicht ausgehen, so lange werde ich auch darüber reden und schreiben. Irgendwie muss ich ja damit klar kommen.
Ein Ende ist nicht absehbar...

1 Kommentar:

  1. Ich verstehe dich genau, denn ich leide selbst ganz schrecklich unter Albträumen. Ungefähr einmal pro Woche suchen sie mich heim. Es ist grässlich und ich brauche oft einen halben Tag, um nicht mehr traurig zu sein. Inzwischen bemühe ich mich beim Einschlafen ganz bewusst um positive Gedanken, ich denke ans Motorradfahren, an meine letzte Reise, an ein neues Motorrad, an irgendetwas Schönes.
    Nur wenn ich nachts kurz wach werde und mit trüben Gedanken wieder einschlafe, dann ist erhöhte Albtraumgefahr.
    Ich weiß, wie du dich fühlst. Sei froh, dass du so einen lieben Mann hast, der dir zuhört und dass du nicht allein schlafen musst.
    Herzliche Grüße und einen frohen 4.Advent.
    Svenja

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