Montag, 6. Dezember 2010

Gedanken und Erkenntnisse Part I

Ihr wollt ja etwas über den Urlaub in Khao Lak erfahren und sicher auch ein paar Fotos sehen. Das kommt noch, versprochen. Seit heute morgen um 4:30 Uhr laden die Bildchen.
Es war traumhaft schön, wunderbar warm, sehr turbulent und unglaublich lustig.
Wir verbrachten den Urlaub an einem nahezu einsamen Strand (abgesehen von den erstaunlich wenigen Hotelgästen), im Vordergrund das rauschende Meer, im Hintergrund beeindruckende Berge mit wildem Regenwald.
Einen Tag verbrachten wir mit der Erkundung des circa 1,5 Stunden entfernten Phuket und waren froh, am Abend wieder in Khao Lak einzutrudeln. Phuket selber - zumindest Patong Beach - ist das Ballermann Thailands, abgesehen vielleicht von Pattaya. Sardinenfeeling am Strand, Liegestuhl an Liegestuhl, braungebrannte Poser mit Badehosen, die mit ihrem bisschen Stoff mehr enthüllten als verdeckten (brrr), und blonde Chickies, die Schaulaufen im Ritzenbikini veranstalteten. Die Preise das 4fache von denen in Khao Lak und dafür mindestens dreifach schlechtere Qualität. Auf diesem Ausflug lernten wir ein junges Paar kennen, mit dem wir einige Tage später einen der lustigsten Abende des Urlaubs in einem Thairestaurant verbrachten. Wir mussten so lachen, dass sich die gesamte Küchencrew mitanstecken liess. Und wenn Thais lachen, ist das schon wieder eine besondere Komik für sich.
Am Geburtstag meines Mannes fuhren wir in den Khao Sok Nationalpark, überquerten per Longtailboot einen riesigen Smaragdsee (selten so ein tolles grünes Wasser gesehen), mussten dann querfeldein durch den Dschungel laufen, wobei wir allerlei Insekten zu sehen und hören bekamen - Frösche so gross wie ein Daumennagel! - danach noch eine kurze Fahrt per Bambusfloss und ab gings zum klettern und staunen in eine Grotte voller Stalagtiten und Stalagmiten. Wer weiss, was was ist, bekommt ein Fleiss-Sternchen. Als wir vom Restaurant zur Rückkehr aufbrechen wollten, zürnte uns der Geist des Wassers so sehr, dass er ein Riesenunwetter heraufbeschwor und die Wolken auseinanderbrach. Ein Wolkenbruch auf festem Boden ist ja schon ein Erlebnis für sich - auf dem Boden eines schwimmenden Dorfes aber noch eine Nummer heftiger. Die gesamte Rückfahrt mit dem Longtailboot wurden wir nass, nasser, klatschnass. Es war trotz allem eine geniale und saulustige Erfahrung, die wir keinesfalls missen wollten. Auf dem Hotelzimmer angekommen fanden wir zu unserer Überraschung eine Geburtstagtorte im Kühlschrank vor. Das gibt einen Extrapunkt für den Service.
Den allerschönsten Tag jedoch hatten wir beim schnorcheln auf verschiedenen Inseln der Similangruppe. Papageienfische, Doktorfische, Fischschwärme in gelb-schwarz-gestreift, in schillernd türkis und grün, es war einfach unglaublich. Auf Insel #8, auf der wir Rast machten, verbrannte ich mir beim Aufstieg auf die Felsen sauber die Füsse, und auf Insel #4 fanden wir nicht nur unseren persönlichen Traumstrand, sondern machten auch die Bekanntschaft mit Waranen und Flughunden. Mehr möchte ich hierzu gar nicht erzählen, denn die Fotos sprechen für sich (wenn sie dann mal online sind).
Gesundheitlich haben wir uns diesmal weit aus dem Fenster gelehnt, der Mann wurde von einem Moskito derart bös gebissen, dass seine Hand auf beinah das Doppelte anschwoll, während ich mich der Reihe nach mit einem leichten Sonnenstich, einem sauberen Teilsonnenbrand und ab Donnerstag Abend mit einer ausgewachsenen Lebensmittelvergiftung rumschlagen musste. Von einem Sprossensalat, wohlgemerkt. Wir dachten schon, das Denguefieber hätte mich erneut erwischt, mein ganzer Körper war ein einziger Schmerz. Aufrecht laufen war nicht mehr, und ein Meter in einer Minute war echter Geschwindigkeitsrekord. Der herbeigerufene Thaidoc war ein echter Kracher, geschätzte 105 Jahre alt, verpasste mir vier verschiedene Medikamente und eine Radikaldiät. Auf der ich heute noch bin. Schön. Oder auch nicht. Jedenfalls halfen die Medikamente und wir konnten am Sonntag fliegen. Trotz dieser Unpässlichkeiten hatten wir einen wirklich klasse Urlaub.
Im Flieger selber dann begann schon wieder die "Vorfreude" auf Deutschland. Nach dem Start, die Anschallzeichen längst erloschen, noch kein Getränkewagen unterwegs, erlaubte ich es mir doch tatsächlich, meine Lehne langsam (!) ein kleines Stück (!!) nach hinten zu stellen. Auf einmal ächzte, schimpfte und jammerte es hinter mir, dass ich dachte, wasn nu los? Doch als ich mich umdrehen und nachgucken wollte, trat das Weibsbild hinter mir mit ihren Füssen (!) mit voller Wucht gegen meine Lehne. Was auch immer sie sich getan hatte, sie hatte es selber verbockt und suchte nun einen Schuldigen, den sie dafür verwantwortlich machen konnte. Also mal schnell austicken und die Vorderfrau - mich - anpöbeln. Hierauf war mir klar, dass ich keine Lust auf eine Auseinandersetzung über den Wolken hatte, und entschloss mich zum großzügigen Ignorieren. Offenbar hatte die Dame wirklich Lust auf Streit, doch ich ließ mich nicht in ihre Laune mit rein ziehen. Allerdings hatte ich die ersten Stunden doch zugegeben Schiß, mir würde - warum auch immer, ich weiss bis heute nicht, was los war - irgendwann noch ne Cola über den Kopf gekippt.
Irgendwann in der Mitte des Fluges dann die Durchsage "Wenn ein Arzt an Bord ist, bitte dringend bei der Crew melden, ein Arzt bitte." Es ging wie bei den Erdmännchen, zip, zip, zip alle Köpfe nach oben, wo ist was, wer hat was, was ist los, wo, wo wo??! Nach 10 Minuten kam die Durchsage erneut, diesmal in Englisch. Die Getränkewagen wurden zwecks Ablenkung gefühlte 50x durch die Reihen geschoben, irgendwann lief eine Flugbegleiterin mit Notkoffer durch die Gegend, der Kapitän, den man auf dem ganzen Flug nicht zu hören bekam, meldete uns plötzlich, wir sollten doch alle mal ausm Fenster gucken, da vorn komme gleich das wuuuunderschöne Teheran... tja und ich sagte nur zu meinem Mann "Mach Dich drauf gefasst, dass wir in Teheran notlanden. Naja, kommt man ja auch nicht jeden Tag hin." Die Flugbegleiterinnen waren ziemlich durch den Wind, sie fragten nach unseren Getränkewünschen, nur um sie uns dann nicht zu erfüllen, und im Ton miteinander waren sie auch nicht gerade die freundlichsten (DAS wohlgemerkt den ganzen Flug lang). Keine Ahnung, was es für ein Notfall war, wir konnten jedenfalls weiterfliegen und die bereits auf Sensation geiernden Paparazzi, die sofort zur Kamera gegriffen und gefilmt haben (hätte ja sein können, dass man das Material noch an RTL verkaufen kann), steckten ihres Cams enttäuscht wieder weg. Vom Duty Free fang ich gar nicht erst an und das Essen war laut Aussage meines Mannes einfach nur "wuach" (Zitat).
Heute beim Einkauf erlebte ich erneut die unglaubliche Höflichkeit gegenüber den Mitmenschen, als sich ein Paar so dreist an der Kasse zwischen meinen Mann und mich schummelte und sofort seine Sachen aufs Band legte, so dass sie wohl oder übel als erste abkassiert werden mussten. Mein Unterzucker machte sich mehr als deutlich bemerkbar und beim Rückzug in Richtung meines Mannes gönnte ich mir den kleinen Luxus, beide kräftig anzublaffen.
Irgendwo reicht es schließlich auch mal.
Ich glaub, ich brauch schon wieder Urlaub.

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