Freitag, 10. Dezember 2010

Der Zauber der Zwölften

Dieses Jahr ists bei uns nicht so mit Weihnachten. Eigentlich nimmt es von Jahr zu Jahr immer mehr ab, vorletztes Jahr wurde der Echt- durch einen täuschend echt aussehenden Kunstbaum ersetzt, letztes Jahr gab es nicht mal den und dieses Jahr ist das höchste der Gefühle die Verwendung von zwei Weihnachtskaffeetassen und einigen Teelichtern. Es ist uns einfach nicht danach.
Was mir persönlich allerdings im Gegensatz zum Ehemann sehr gut gefällt, ist der Schnee bzw. dem Fallen der Flöckchen zu zuschauen. Nun, wenn man Urlaub hat und die Füsse mit einer Wärmflasche unter die Decke stecken kann, ist das sicher nachvollziehbar. Dazu den Honigtee im Tässchen und den Lappi auf dem Schoß, surfte ich in Erinnerungen schwelgend gerade nochmal im Krampuspost des schwarzen Planeten (findet Ihr unten in meiner Blogliste) und - zack! schoß es mir durch den Kopf "Menschenskind, die Rauhnächte!"
Leider ist die letzten Jahre gerade diese Zeit bei mir untergegangen und jedes Mal habe ich im Nachhinein geflucht, dass ich sie schon wieder vergessen hatte. Nicht so dieses Jahr. Also rannte ich gleich hoch in meine Lesekammer (alias Schlafzimmer) und kramte nach zwei meiner mir liebsten Bücher:

Rauhnachtzauber
(Herausgegeben von Hubert Sauer-Zur im Greifenverlag zu Rudolstadt)
Rauchnächte
(Sigrid Früh im Stendel Verlag)

Als Rauhnächte oder die Nächte in den Zwölften gelten die Tage vom 24. Dezember bis einschliesslich 06. Januar des neuen Jahres, wobei es hier regionale Abweichungen gibt. Wikipedia bezeichnet diese Nächte sehr treffend als "eine Zeit, die für die Geisteraustreibung oder -beschwörung, den Kontakt mit Tieren oder wahrsagerische Praktiken geeignet sein soll" und schreibt über die Tage bis Silvester:
"In dieser Zeit steht nach altem Volksglauben das Geisterreich offen, und die Seelen der Verstorbenen sowie die Geister haben Ausgang. Dämonen können Umzüge veranstalten oder mit der wilden Jagd durch die Lande ziehen. Bis in die jüngere Zeit war in weiten Teilen Europas der Glaube verbreitet, dass sich zauberkundige Menschen, die einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatten, zu dieser Zeit in Werwölfe verwandelten und in dieser Gestalt Mensch und Vieh bedrohten..."
Kein Wunder also, dass die Rauhnächte mich ab dem Zeitpunkt faszinierten, als mir mein Onkel einst das Buch "Rauhnachtzauber" mitbrachte, welches er offenbar in seinem Privatfundus verwahrt hatte. Es ist seit circa 15 Jahren nun in meinem Besitz, doch das Buch selber entstammt der ersten Auflage von 1986. Als Tochter ehemaliger Jäger, die schon als kleiner Stumpen bei Nacht und Nebel ungeachtet Wind und Wetters mit in den dunklen Wald auf die Pirsch gehen musste (tja, soviel zur frühkindlichen Prägung), war ich für diese Sammlung europäischer Jagdsagen rund um diese besondere Zeit Feuer und Flamme. Gruselig sind sie, grausam und lehrreich. Auf keinen Fall was, was man seinen Kindern vorm schlafen gehen vorlesen sollte.
Später erstand ich dann noch das Werk von Frau Früh, die etwas spezifischer auf "Märchen, Brauchtum und Aberglaube" eingeht. Zwischen einigen kurzen Mythen verpackt sie traumhaft alten Glauben, der früher von Generation zu Generation mündlich überliefert wurde, sowohl erfreulich wie auch schauerlich. Wenn man bespielsweise am 24.12. um Mitternacht die Wohnung "hinterführ und nackend" wischt, soll man angeblich das zukünftige Gschpusi ebenfalls im Adamskostüm unter dem Tisch sitzend erblicken können. Nicht lachen, Ihr wisst ja nicht, obs nicht doch stimmt, oder habt Ihr an Weihnachten 00:00 Uhr schon mal nackig im Rückwährtsgang die Bude nass poliert? Habt Ihr überhaupt schon mal nackig gewischt? Na eben. Wer das probieren möchte, bitte gerne, würde mich über einen Erfarhungsbericht sehr freuen und stelle mich schon mal selbstlos als Trauzeugin zur Verfügung. Gruseliger wird es dagegen, wenn man am Heiligen Abend auf "einen Kreuzweg geht", sprich sich um Mitternacht auf eine Kreuzung stellt (die Macher von Supernatural haben da mal wirklich brav recherchiert). Dann erscheint einem Schlag Zwölf der Leibhaftige und fragt nach Deinem Wunsch in Form von Geld oder Saatgut. Ich persönlich hege zwar keinen Wunsch, der es wert wäre, sich deswegen bei Lucifer eines Gefallens schuldig zu machen, aber auf nen Plausch treffen würd ich ihn schon mal ganz gern. Wer dagegen Harry Potter nachahmen will, der muss sich nach dem Rückgratsplitter eines in der Neujahrsnacht gesottenen Katers umsehen. Hiermit erlasse ich eine offizielle Warnung an alle miauenden Fellträger für diese Nacht - bleibt mal lieber hinterm Ofen.
Ob und wie viel an diesen Sagen und Mythen dran ist, obliegt jeder/m selber zu beurteilen. Vielleicht hat dieser kurze Exkurs ins alte Brauchtum in den Zwölften dem/r ein oder anderen Leser/in aber auch Laune auf eine ganz spezielle Weihnachtslektüre gemacht. Und sollte Euch in jenen Tagen während der wilden Jagd Frau Gode erscheinen oder gar einer ihrer Hunde, so seid freundlich und kommt dem nach, was von Euch verlangt wird. Es wird Euer Schaden ganz sicher nicht sein...

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