Mittwoch, 3. November 2010

John Wayne Gacy - Diggin' in the dirt

Manchmal fühle ich mich wie John Wayne Gacy. Nein, nicht verkappt männlich oder ephebophil (das Wort hab ich gerade neu gelernt). Vielmehr denke ich dabei an all die Leichen, die einst unter seinem Keller verscharrt lagen.
Wenn ich so auf mein kleines Leben zurückschau und dabei den Spaten der Erinnerung in manche Gedächtnisspalte schiebe, dann entdecke ich hier und da ebenso die ein oder andere, allerdings eher bildhafte Leiche. Manche fallen unter die Rubrik "Jugendsünde", wieder andere unter "Dummheit" und so einige tragen ganz banal die Bezeichnung "Oh man what the f***?". Jaha, Ihr würdet jetzt sicher gerne wissen, was Tante G bisher so getrieben hat, denn neugierig seid Ihr ja sowieso. Auf Anhieb fallen mir mindestens drei Dinge ein, deren blosse Erinnerung mir den Magen verkrampfen. Aber gut, ich war jung und für Finanzielles stets zu blöd. Okay, machen wir vier draus, von "Einfach peinlich" bis "Richtig bös", die ganze Bandbreite ist dabei. Ach verdammt, kaum denkt man dran, da kommen sie wie Zombies aus ihren Löchern gekrochen, all die peinlichen Erlebnisse, die man einst sorgfältig in Alufolie gewickelt in die hinterste Ecke des Hirns gestopft hat, in der irrisinnigen Hoffnung, Stanniol würde irgendwann verrotten - und der Inhalt mit dazu. Manch Folie wurde zwar in all den Jahren vom Unkraut des Alltags überwuchert, aber irgendwann kommt immer einer, der meint, er müsste mal im Dreck wühlen.
Was schreibt die da, höre ich Euch schon mosern, ja wir könnens nachvollziehen, aber wo verdammt bleiben ihre Geschichten? Sorry Leute, Ihr werdet verstehen, dass man manche Dämonen besser da lässt, wo sie ihr Zuhause haben. Nämlich unter den Dielen meiner imaginären Gruft.
Warum ich das hier alles schreibe (und dabei bei Euch vielleicht auch den ein oder anderen Gacy wecke)? Weil Leichen aus der Vergangenheit die beste Medizin dagegen sind, in Zukunft weitere zu produzieren. Gerade nämlich prasseln von vielen Seiten unzählige Dinge auf mich ein, und heidewitzka, manche schmerzen. Sogar richtig, richtig dolle. Je mehr es sind und je deutlicher sie auftreten, desto verwundbarer wird man früher oder später. So nach dem Motto, steter Tropfen höhlt den Stein. Hätte ich nicht aus den Leichen meiner Vergangenheit die ein oder andere Lehre gezogen, so würde ich mich - emotional wie ich nun einmal bin - umgehend verunsichern und in diese oder jene Richtung treiben lassen. Aber man lebt nicht, um zu kämpfen, sondern kämpft (manchmal), um zu leben. Ich kämpfe gerade gegen Vieles, sowohl in meinem Kopf als auch außerhalb. Und wenn das bedeutet, ich muss mich meinen Leichen stellen, nur um später das Richtige zu tun, dann muss ich dem Unvermeidlichen ins Auge blicken. Auch wenn ich lieber wegschauen würde.
Also dann Mr. Gacy, let's go diggin' in the dirt.

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