Donnerstag, 18. November 2010

Hoodoo Woman von nebenan

Heute war einer der schlimmsten Tage meiner bisherigen Laufbahn.
Jamaikanerin mit zwei Mädels (12 und 14), verliert ihr Dach übern Kopp.
Also um 08:00 Uhr stehen Spedi, Gerichtsvollzieherin, Vermieterin usw vor der Tür, die Mutter total neben der Kappe (als wär sie nie vorbereitet worden, ach was reg ich mich auf?), die 14jährige arschcool, als wärs ihre fünfte Räumung (was es sicherlich auch war, welch traurige Kindheit), die hat alles gemanagt (nochmal - mit 14!), und die 12jährige hatte von nix ne Ahnung. Die war total geschockt, und während Mama und große Schwester packten stand sie weinend und schreiend vor uns, denn wir mussten ihr ja sagen, ne also dat Häschen kannste aba nich mitnehmen, da wo ihr hin geht sind keine Tiere erlaubt. Die Kleine kriegt sich nicht mehr ein, so sehr, dass ich auch fast mitheule, weil ichs nicht übers Herz bringe, einen Menschen von seinem geliebten Tier zu trennen, und meine Kollegin grübelt auch schon, ob sie dem Häschen Notasyl bei sich daheim gewähren soll.
Lange Rede, kurzer Sinn, es war schlimm, schlimm, schlimm, und wir fanden uns in einer von der Mutter künstlich geschaffenen Erpressungssituation wieder. Da hätte ich sie am liebsten durch die ganze Stadt geprügelt, denn wir hatten dazu geraten, die Kinder in die Schule zu bringen, um sie dieser traumatischen Situation nicht auszusetzen. Aber war ja klar, was kümmert mich schon (m)eines Kindes Seele, vielleicht zieht ja das schlechte Gewissen bei der Gerichtsvollzieherin und ich darf bleiben. Und ich musste dabei schauen, dass es nicht noch mehr eskaliert. Hart bleiben musste derweil die Gerichtsvollzieherin, die sagte, sie selber habe in ihrer langen Karriere sowas noch nicht erlebt und brauche heute auch nichts mehr.
Später im Büro sprach mich meine Kollegin an, ob ich das auch gesehen hätte, die Damen hätten in jedem Zimmer immer wieder über den Türen an die Rahmen gefasst, als würden sie da was wegwischen. Da fiel mir ein, dass ich im Wohnzimmer über der Tür was am Rahmen stecken gesehen hatte. Mein erster Gedanke war Kamera, mein zweiter Bewegungsmelder, ach keine Ahnung, die Kleine trug derweil wieder ihren Hasen im Rucksack vor sich rum und schrie, ich hatte keine Zeit mir das näher anzugucken. Komisch, komisch. Somit ruf ich neugierig die ehemalige Vermieterin an, die mir nach meinem Bericht im Anschluß sagt, Mensch ich hab da auch noch was. Ich - oh oh. Wasn? Ja, sagt sie, in sämtlichen Zimmern fanden wir hinter den Leisten am Boden versteckt kleine zusammengefaltete Zettel mit Psalmen. Ich Neugiernase hab mir das natürlich gleich mal schicken lassen und geforscht, tataaaa es ist tatsächlich Voodoo. Oder Hoodoo, kommt drauf an, ob es sich um religiöse Hintergründe handelt oder die Annahme, den Alltag durch Rituale und Zauber beeinflussen zu können. Okay, dann wars in dem Fall Voodoo, der Glaube war omnipräsent. Im Kinderzimmer beispielsweise befand sich der Psalm 126, der im Voodoo zum Schutz für Kinder verwendet wird...
Hatte ich doch wieder den richtigen Riecher. Noch vor zwei Wochen sagte ich zu meinem Kollegen, wir sollten uns alle vielleicht mal Gris-Gris' zulegen, ich glaub, die Frau ist nicht ganz ohne. Haben mich natürlich alle ausgelacht. Und jetzt?
Wenn ich morgen mit Glatze oder Pusteln aufwach, dann wissen wir, wer schuld dran ist.
Oder wenn mein Mojo flöten geht.
Nervlich bin ich am Ende.
Ich sauf mir jetzt einen.
Prost.


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