Montag, 15. November 2010

Geld liegt nicht auf der Straße. Oder?

Schon wieder! Es ist wieder passiert. Tante G hat schon wieder Geld auf der Straße gefunden. Wieder zehn Euro. So langsam gibt mir das zu denken, ist bei Weitem nicht das erste Mal, dass mir rund ums Geld so Glückssachen passieren.
Zum Beispiel denk ich da viiiiele Jahre zurück (gut, es sind vielleicht sechs), da hatte ich einen anstrengenden Job, der fast nichts abwarf, dafür aber Unsummen an Pendelkosten verursachte. Trotzdem immer noch besser, als vom Staat zu leben. Eines Morgens saß ich im Zug und eine Station nach der Abfahrt schon pflanzte sich eine gut betuchte, ältere Dame zu mir, die mich sofort zugackerte. Ich nutzte damals die Zugfahrten entweder zu ausgiebigen Lesereien oder - ganz simpel - noch fürn Stündchen Schlaf. Tja, das war mal nichts, und unhöflich wollt ich auch nicht sein. Also lauschte ich ihren Erzählungen über ihr Haus, ihre Haushälterin und die teure Damastbettwäsche, und hoffte, irgendeine Macht würde mir das irgendwann mal anrechnen. Dann erzählte sie mir von ihrem Sohn, den Herrn Doktor von der Uni, der nun arbeitslos geworden sei und Frau und Kinder daheim hocken habe. Wie schwer es sei, wieder einen neuen Job zu finden und so weiter und so fort. Ja, meinte ich da, ich weiss, wies ihm geht, ich halte mich mit nem Job über Wasser, der weit unter meiner Qualifikation liegt, Hauptsache, es geht was voran, auch wenn am Ende vom Geld noch viel zu viel Monat übrig ist. Da guckte sie und es ward stumm. Prima, dachte ich, jetzt kann ich in Ruhe wieder lesen, als ich aus den Augenwinkeln sehe, wie die Dame in ihrer Tasche kramt und noch bevor ich wusste, wie mir geschieht, stopft sie mir was in mein Buch, klappt es zu und sagt "So und das machen Sie jetzt erst auf, wenn Sie auf der Arbeit sind." Ich völlig baff:
"Das ist jetzt aber nicht, was ich denke, dass es ist, denn wenn es das ist, dann kann ich das nicht annehmen, so lieb das auch gemeint ist." "Doch, das können Sie, ich bin alt und habe mehr als genug, Sie aber kämpfen genauso wie mein Sohn und müssen jeden Cent umdrehen, mir tuts nicht weh und ich weiss, dass sies zu schätzen wissen."
Da war ich noch baffer, bedankte mich total verdattert und ließ es mir am Zielbahnhof nicht nehmen, der Dame wegen ihrer Gehbehinderung noch die Koffer in den nächsten Zug zu tragen. Das war ja wohl das Mindeste. Auf der Arbeit staunte ich nicht schlecht, fiel doch ein Fuffi ausm Buch. Die Geschichte war Tage lang der Burner im Laden.
Einige Zeit später war ich mit Freundinnen zu St. Patricks Day in einer unserer irischen Stammkneipen. Da fiel mir ein Typ ins Auge, an den ich mich langsam anpirschte. Leider war er grad einen Tag frisch getrennt, Mist, aber gut, dann eben nur nett unterhalten. Er erzählte mir von seinem tollen Job usw. und irgendwann meinte er zu mir, dass er öfter mal weggeht, da müsse er gut blechen, fünfzig Euro seien da nichts. Ja, meinte ich, bei mir geht das nicht, fünfzig Euro sind verdammt viel Geld. Da zückt er ein dünn gefaltetes Scheinchen aus der Tasche "Bitte nimm." "Hä? Äh, bitte wie?!" Bitte nimm, ist ein Geschenk. Mir bedeutet das nichts, ich verdien genug, und wenn Du sagst, das ist für Dich verdammt viel Geld, dann musst Du wirklich arg drauf schauen." Ich fühlte mich wie in einer Zeitmaschine und stand nur mit offenem Mund da, während meine Freundin sich hinter dem Kerl einen abzappelte und deutete "Jetzt nimm endlich, Du blöde Kuh!" Er drückte mir den Schein dann in die Hand und wollte dafür - nichts. Null, gar nichts. Gibts ja auch nicht oft.
Nach dieser Geschichte - die erste war in der Zwischenzeit von den Kolleginnen leicht angezweifelt worden - wollten plötzlich alle immer mit mir weg gehen.
Das nun sind nur zwei Geschichten, wie mir des Öfteren das Geld "auf der Straße begegnet", ob es mir nun geschenkt wird oder sich nackt auf dem Asphalt räkelt. Als hätte ich hierfür ein eingebautes Radar. Vielleicht sah ich aber auch einfach nur so bemitleidenswert aus?! Wenn das dabei herauskommt, na dann vergess ich mal schnell meinen Stolz. Vor Kurzem sass ich wegen einer Klientin mitten unter Obdachlosen und bewachte deren Hund. Ich trug saubere Jeans, ein schwarzes Jäckchen und sah auch sonst recht gepflegt aus. Kam eine Dame daher, die gerade eine Kleiderspende getätigt hatte, und drückte mir fünf Euro in die Hand, "für Ihren Hund." Ich dachte, ich spinn. Natürlich hab ich mich artig bedankt und die Dame entsprechend aufgeklärt, sie hats mir aber (denk ich) nicht geglaubt. Wie dem auch sei, ich gab das Geld artig der Hundemama weiter und beschloss, mal gründlich meine Garderobe zu überdenken.
Bleibt nur noch zu sagen, dass ich die zehn Euro heute liegen liess. Sie lagen auf den Tramgleisen, begrenzt von einer zweispurigen Straße. So gern ich sie mir wirklich gekrallt hätte, so ungern wollt ich mich zamschieben lassen. Da gibt es sicher andere, die sich wesentlich mehr freuen, wenn sie das Scheinchen irgendwann finden.
Man muss ja nicht immer alles einschieben.

1 Kommentar:

  1. Schön geschrieben - und ich kann mir vorstellen, dass dir die Geldzusteckereien wirklich passiert sind. Es gibt solche Leute, aber selten. Doch Geld, dass "sich nackt auf dem Asphalt räkelt" ;-)**lach** ist aber noch viel viel seltener...

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