Dienstag, 23. November 2010

Der Wert der kleinen Dinge

Schon oft beschlich mich der Gedanke – warum wird Vieles im Leben übersehen? Durch Stress, Ärger, Probleme und ständige „Attacken“ von außerhalb, seien es Werbeplakate, Musik oder, ganz hip, die Inside-Out Screens, die neuerdings unzählige Apotheken zieren, wird der Mensch ständig mit Reizen bombardiert, die er kaum verarbeiten kann, und übersieht dabei oft die kleinen Dinge im Alltag. Dinge, die nicht unbedingt wertvoll oder bedeutsam sind, doch bei genauerer Betrachtung vielleicht zu denken geben und die ein oder andere Geschichte erzählen.
So geschehen heute am Strand um circa 07:15 Uhr Ortszeit. Ja, ich gebe zu, zu den passionierten Frühaufstehern zu gehören, die selbst im Urlaub kaum länger als bis 08:00 Uhr im Bett bleiben können, weil die Entdeckerlust sie umtreibt. Andere nennen es senile Bettflucht, Ihr dürft es betiteln, wie Ihr mögt. Am Strand war noch recht wenig los, was umso besser war, konnte man doch in Ruhe das Meer und den Sonnenaufgang genießen, sowie den ein oder anderen Meeresschatz bergen. Erwischt, ich liebe es, Muscheln zu sammeln. Aber nicht die ganz normalen, die man überall auf der Welt findet. Ich suche im speziellen Schneckenhäuschen oder Muscheln mit ungewöhnlichen Formen und Farben. Daheim steht pro Urlaub je ein Glas mit solchen Fundstücken herum, mein Mann stöhnt jedes Mal aufs Neue und hat im Koffer immer ein Plätzchen dafür frei. Jedes Mal freue ich mir nen Wolf, wenn wieder was Schönes meinen Weg kreuzt. Heute sah ich einen Stein, der die Form eines Herzchens besaß und dazu noch ein Loch in einer Rundung aufwies. Das könnte man ja als Anhänger verwenden, schoss es mir durchs Hirn, und als ich den Stein umdrehte, entdeckte ich zu meiner Überraschung, dass es kein Stein, sondern tatsächlich ein Anhänger war. Auf der Rückseite waren zwei kleine Blumen aufgemalt und das Ganze entsprechend fest gebrannt. Schlicht, nichts Besonderes... aber irgendwie doch.
Wie viele mögen schon achtlos daran vorbeigegangen sein, ohne sich um das kleine Herz zu kümmern? Ohne es überhaupt entdeckt zu haben? Meine Schreiberseele schlug sogleich Purzelbäume und ertrank sich in den stürmischten Gedanken – wo kommt es her? Wer hat es verloren? Und wie alt mag es überhaupt sein?
Auf keine dieser Fragen wird es je eine Antwort geben, und auch wenn ich vor Neugier platze, so muss es mir doch reichen, wieder einmal auf eine kleine Besonderheit gestoßen zu sein, eben weil es möglich war, inne zu halten, mich eine Runde um zu blicken, zu beobachten und zu staunen. Klappt leider nicht immer, aber ab und zu. Zugegeben, im Urlaub hat man noch mehr Zeit dafür als sonst im tristen Alltagsgrau.
Heute war für mich der Tag der kleinen Dinge, die mir zuhauf vor die Linse kamen.
Seien es die zwei Einsiedlerkrebse, von denen sich einer wie eine Diva minutenlang vorm Shooting zierte, sei es der sich sonnende Schmetterling direkt vor unserer Tür, die herzförmige Frucht eines Feigenbaumes, die von anderen Gästen erst bemerkt wurde, als ich – völlig tourilike und bar jeglichen Peinlichkeitsgefühls – mit der Kamera direkt darunter hing... oder eben das kleine Herz der Andamansee.
Inne halten und sich Zeit nehmen, das machen wir heute leider viel zu selten. Dabei gibt es soviel, dass sich lohnt, beachtet zu werden, und soviel Kleines, das mit ungeahnt großer Wirkung unseren Alltag bereichern kann...






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