Montag, 11. Oktober 2010

A day at the bookfair...

Comicfiguren.
Überall nur Comicfiguren.
Schon am Frankfurter Hauptbahnhof begegnen mir die Advent Children um Cloud Strife. Automatisch halte ich Ausschau nach Sephiroth. Moment, ich muss mich schnell mal zwicken. Schlummer ich vielleicht grad noch im Zug und erlebe einen schönen Traum?
Vor der Messe treffe ich die Autorin Carol Grayson (Link findet Ihr in der Blog Liste unten) und Gothic-Model Vero.
Karsten von Chichilli (http://www.chichili.de/) eilt uns schlotternden Rotköpfen entgegen, händigt uns unsere Ausweise aus und geleitet uns per Messebus in die Halle 4. Auf der Fahrt staune ich Bauklötze ob der unzähligen Kostüme. Auch wenn ich in einer Großstadt lebe - so was hab ich noch nicht erlebt.
Am Stand angekommen die nächste Überraschung - Tarvios (http://twitter.com/#!/Tarvios) steht schon mit Kamera und Co. bereit. Ich.bin.doch.nicht.geschminkt! Dafür hätte ich statt um 4 Uhr dann doch um 3 Uhr aufstehen müssen. Gott sei Dank ist Tarvios supersympathisch und gewährt uns kopflosen Hühnern die Möglichkeit, uns zu sammeln bzw. auf der Damentoilette herzurichten. Die Zähne passen übrigens super und dank Haftcreme bleiben sie dort, wo sie hingehören. Nachteil - die Creme schmeckt wie manche Leute riechen (würg). Quasi noch halbnackt mit den Kleidern kämpfend sprechen uns bereits viele Damen an, wie toll sie doch unsere Kostüme finden. Da lacht Vero "Wieso Kostüm? Ich laufe jeden Tag so rum."
Nach erfolgreicher Petticoatbändigung erfolgt schließlich ein kleines Interview mit Tarvios, und Carol liest ein Kapitel aus "Lux Aeterna". Einige Zuhörer lassen sich danach mit Vero alias Lady Alderley und mir alias Vampirfürstin Miriam fotografieren. Die Zähne kommen prima an. Erstaunlicherweise sehe ich den ganzen Tag niemand anderen, der damit rumläuft. Hätte ich jetzt nicht erwartet.
Nachdem Carol, Vero und ich uns durch einige Gänge in Halle 3 gekämpft haben, um diverse Gratishörbücher und Lesezeichen unters Volk zu bringen, kehren wir plattgedrückt wie Flundern zum Stand zurück. Das ist ja Wahnsinn! Die Leute drängeln und schubsen, als würde es vom Objekt ihrer Bücherbegierde niemals mehr einen Nachdruck geben. Und trotzdem wir unsere liebe Mühe haben, voranzukommen - besonders Vero mit ihrem Petticoat - hat das alles ein ganz besonderes Flair. Geschriebene Worte zu Milliarden, eingehüllt in tausende Cover und lobgepreist in zahlreichen Lesungen. Magie liegt greifbar in der Luft. Mir ist, als flatterten kleine Bücher mit Flügeln um meinen Kopf herum und ich staune, staune, staune... staune.
Später bewaffnen Vero und ich uns erneut mit CDs und Schlüsselbändchen, die wir bei strahlendem Sonnenschein an die Leser zu bringen gedenken. Die Leute reißen uns die Sachen teilweise aus den Händen, und ein süßer, kleiner Bub zupft Vero am Rock, ob er nicht auch eine CD haben könne. Wie gern hätten wir hier die Chance ergriffen, sogleich mit der frühkindlichen Szenenprägung zu beginnen, doch vertrösten wir den kleinen Fratz mit der Aussage, dass das wohl eher was für die Mama sei. Als er meine Zähne sieht, versteckt er sich hinter Muttis Jeans "Mama, guck mal, ein Vampir!" Sofort verkneife ich mir das Lachen und zwinkere ihm aufmunternd zu. Die Mama befürwortet, warum wir keine CD an Junior geben, doch auch ihre Erklärungsversuche fruchten nicht. Sohnemann ist eingeschnappt und wirft uns zum Abschied ein trotziges "Schüss!" entgegen. Wie gesagt, Absatz ist ja schön und gut, aber auch Dunkelherzen sollten dabei nicht über Leichen gehen.
Von jetzt an tauchen wir ein ins Wunderland, es fehlen nur noch Alice und das Kaninchen.
Kaninchen?
Kaninchen!
Wir entdecken auf unserer Tour Frank, den Hasen aus "Donnie Darko". Der Arme weiß gar nicht, wie ihm geschieht, so schnell ist er von uns umzingelt und auf Kamera gebannt. Wir fühlen uns wie ein Kind im Süßigkeitenladen, so viele atemberaubende Kostüme, an denen sicher nächtelang gebastelt wurde, säumen unseren Weg. Foto links und Foto rechts, und während wir Motive über Motive sammeln, werden wir selber zigfach geknipst. Gefühlte 100 Mal dürfen wir posen, sogar für zwei Damen aus Indien. Ich hoffe, wenn sie nach Hause kommen, berichten sie von den beeindruckend fantasievollen Deutschen und nicht vom Land der Spinner und Freaks. Ist so eine Art Gratwanderung - Völkerverständigung mit Imagepolierung. Aber bitte schön sparsam dosiert, denn allzuviel ist ungesund. Sollten die Damen dies hier lesen, so sende ich ihnen "Namaste" und hoffe, sie hatten ebenso viel Spaß wie wir.
Bewundernswert ist das Posingtalent all derer, die wir um ein Foto bitten. Vielleicht bin ich - trotz bayerischer Großstadtprägung - hierfür doch zu unbedarft. Ja, hier gibbet dat einfach nich! Chronische Mundtrockenheit ist mein ständiger Begleiter, so offen steht mir selbiger den ganzen Tag.
Nach vier Stunden schmerzen langsam die Füße, besonders weil Vero und ich ja podologisch beeinträchtigt sind. Allmählich beginnt sich die Messe zu leeren und die bunten Scharen strömen gen Bahnhof. Auch wir machen uns langsam auf den Heimweg, jedoch nicht, ohne meinem Mann noch ein Geschenk zu besorgen. Dieses wird im Zug natürlich sofort angelesen und rutsch sind die ersten hundert Seiten durch (wer gern lacht, dem sind "Die Kängaru Chroniken" von Marc-Uwe Kling hiermit wärmstens ans Herz gelegt).
Trotzdem ich nur wenig Zeit auf der Messe verbringe und nicht mal eine Halle zur Hälfte besichtigen kann, finde ich den Tag rundum gelungen angesichts des allgegenwärtigen Flairs.
Es sind meiner Meinung nach nicht die Bücher, die eine / diese Messe prägen.
Nein, es sind die Besucher, die Leser, die Fans.
Es ist ihre Begeisterung für Themen aller Art, egal ob bunt oder uni, hell oder dunkel, real oder fiktiv - Hauptsache, jene stehen auf Papier. Sie kleiden sich wie ihre Helden, verkörpern deren Charaktere und verleihen ihnen dabei gekonnt eine ganz eigene, persönliche Note.
Fantasie, wohin das Auge blickt. Ein Eldorado an Inspiration.
Bücher, das sind nicht nur Worte. Nicht nur Seiten voller Buchstaben.
Bücher sind Tore in andere Welten, die dem Leser real verschlossen bleiben. Durch sie kann man dem Hier und Jetzt entfliehen und sich in ferne Sphären träumen, während man in der vollgestopften S-Bahn sitzt.
Es sind kleine Oasen in der sonst so verdörrten Alltagswüste, die unser Leben vielfach bereichern, und dabei eben jene Pflege benötigen, damit ihre Quellen nie versiegen.

Nun noch einige Impressionen. Sollte sich jemand auf den Fotos wieder erkennen, darf er sich gerne bei mir melden, damit ich die Fotos entsprechend beschriften kann :-D

Buchmesse Frankfurt

1 Kommentar:

  1. Juhu - hat Spaß gemacht :-) zusätzlich zu den bereits geschilderten Impressionen möchte ich aber gern (auch wenn ich diese Seite sonst eher selten bis nie benutze) auf folgende Schilderung hinweisen:
    http://www.bild.de/BILD/unterhaltung/kultur/2010/10/10/blaue-dichter/club-bild-am-sonntag-besucht-frankfurter-buchmesse-TEIL-1.html

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