Freitag, 24. September 2010

Wem das Schicksal wohlgesonnen...

Irgendwie ist es schon witzig. Auf eine wiederum bedenkliche Art und Weise.
Vor fast einer Woche habe ich beschlossen, den Hintern hoch zu bekommen und wieder mit Joggen anzufangen. Früher war ich unglaublich sportlich, stundenlange Fitnessmarathonveranstaltungen wurden konditionstechnisch problemlos durchgehalten und wenn man mich suchte, fand man mich in der Muckibude. Irgendwann kam dann das Studium, man zog weg, zog um, feierte lieber Parties, zog wieder um, lernte wen kennen und so weiter und so fort. Lange Rede, kurzer Sinn, ich wurde faul. Ab und zu ein kleines Läuferchen, aber Sport würde ich das nicht nennen.
Jetzt steht man schon lange im Berufsleben und ist am Abend oft zu platt, sich nach einem anstrengenden Tag auf den Beinen (in meinem Fall wörtlich zu nehmen) auch noch die Turnschuhe zu schnüren. Zumal da noch Abwasch und Co. warten, allerlei Alltagskram, für den auch Dunkelherzen keine Zaubersprüche haben.
Vorgestern die erste Einheit, mitten in der Vollmondnacht, es war herrlich. Herrlich, wieder etwas für sich selbst und seinen Körper zu tun, sowie mitten im Mondschein durch die Nachbarschaft zu streifen. By the way, benutzt heute keiner mehr Gardinen??!
Heute hatte ich mir die zweite Einheit vorgenommen, wieder in der Nacht. Ja dann bin ich eben komisch, aber das ist auch nichts Neues. Mir gefällt das. Irgendwann gegen 18 Uhr plötzlich Donner. Oh-oh. Gut, dass ich das Sportzeug schon trug. Ich schmiss den Laptop zur Seite und rief meinem Mann noch zu "Bevors Gewitter kommt mach ich meine Runde." und wusch war ich wieder on the road.
Da lief ich nun, begleitet von einzelnen dicken Regentropfen, das drohende Grollen die ganze Zeit im Nacken. Immer schwärzer und schwärzer wurde die dicke Wolke, und immer tiefer der nahende Donner. Ab und zu beschlich mich der Gedanke, komm nimm die nächste Querstraße und lauf nach Hause, gleich wirds ungemütlich. Eine kleine Stimme im Hinterkopf widersprach dann jedoch sofort, kommt nicht in Frage, diese Kurve nimmst Du noch und schau, da hinten um die Ecke, das schaffst Du auch noch. So lief ich und lief ich und irgendwann musste ich eine kleine Runde gehen einlegen. Das passte mir gar nicht, wollte ich doch wie vorgestern durchlaufen. Aber dank Muskelkater war das einfach nicht drin. War nicht so prickelnd, mir das einzugestehen.
Gerade, als ich meine Geschwindigkeit wieder erhöhen wollte, fiel mein Blick auf nen komischen Zettel auf der Straße. Ein rosa Zettel. Mit ner "10" drauf. Gibts ja nicht! Da lag doch glatt mal Geld auf der Straße.
Jetzt können wir munter diskutieren - was war das?
Zufall?
Schicksal?
Oder gar eine Belohnung der besonderen (in meinem Fall eher dunklen) Art?
Natürlich steigt die Wahrscheinlichkeit, 10 Euro auf der Straße zu finden, sprunghaft an, sobald man sich von der Couch erhebt und nach draußen geht, keine Frage. Dann wiederum frage ich mich - ich hätte auch heute den Schweinehund gewinnen lassen können, indem ich beim ersten Donner "OooOoooh das regnet gleich, da kann ich heute nicht laufen, schadeeee!" von mir gebe. Statt dessen heb ich den Arsch und lauf sofort los, weil ich nicht gleich wieder schludern wollte. Dann drehe ich trotz nahendem Gewitter ein paar Extrarunden und nehme letztendlich einen Rückweg, der länger ist als der ursprünglich anvisierte, einfach weil ich mir beweisen wollte, dass ich das schaffe. Gestehe mir zudem ein, dass ich heute nicht ganz so fit bin, was mir persönlich ziemlich gegen den Strich geht. Und plötzlich liegt da Geld.
Eine meiner Freundinnen könnte mir das jetzt in derart viele mathematische Wahrscheinlichkeiten zerlegen und Formeln dazu erstellen, dass ich am Schluss vor gefühlter Dummheit am liebsten im Boden versinken möchte. Für mich persönlich sind es einfach zu viele zufällige Faktoren, die da ineinander gegriffen haben, dass es schon wieder nicht Zufall sein kann. Deshalb nehme ich das nun als kleine Belohnung der besonderen Art, sage artig "Danke" und revanchiere mich wiederum auf meine Weise.
Und was sagte der Mann dazu? Der war sich nicht ganz sicher, tendierte letztendlich aber auch in Richtung Belohnung. Mit der lachenden Bemerkung "Geh sofort wieder raus und lauf noch ne Runde!"
Vielleicht find ich beim nächsten Mal ja das Bernsteinzimmer.
Das Glück kommt schließlich zu demjenigen, der auch etwas dafür tut.

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