Montag, 27. September 2010

Was ist schon Glück?

Neulich, als ich so krank war, erhielt ich eine Nachricht einer Freundin. Ich war etwas platt, als sie mich nach den üblichen Gute-Besserungs-Wünschen tatsächlich fragte "Wann sehe ich Dich nur endlich mal wieder glücklich? So wie vor zwei Jahren, da und da, da haben Deine Augen so geleuchtet. Und jetzt?"
Starkes Stück. Sacken lassen.
Über diese Mail habe ich mir die letzten zwei Wochen so meine Gedanken gemacht und auch die ein oder andere Diskussion geführt.
Ja, dieses Jahr ist für mich das Jahr der Veränderung und nicht jeder scheint damit umgehen zu können. Lange genug habe ich versucht, mich an die übliche Prilblumengesellschaft anzupassen, ohne Fleck auf der Weste oder Loch im Strumpf. Ich habe Dinge gesehen, verteilt auf sämtliche Ebenen, die es nicht zulassen, jeden Tag seinen rosa Ponyhof aufrecht zu erhalten. Habe gesehen, was aus Menschen werden kann, wie sie werden können, und was auf sie wartet, hier wie auch dort. Nach mehr als einem Drittel meines Lebens - grob geschätzt - habe ich dieses Jahr einen seit nahezu Geburt andauernden persönlichen Kampf beendet und mich dem gefügt, was sich nicht länger verleugnen lässt. Kaum hatte ich mich arrangiert, ging es mir merklich besser, psychisch und erstaunlicherweise auch physisch. Mens sana in corpore sano, nicht wahr? Wobei hier der Grad des "Gesunden" individuell definiert werden müsste, doch ich denke, das Prinzip passt.
Es geht mir gut. Hier und da noch ein wenig Optimierungsbedarf, doch es geht mir gut. Noch nicht perfekt, aber gut. Und ich bin es Leid, mich immer und überall erklären zu müssen. Leben heisst Veränderung. Wir alle befinden uns im steten Wandel. Bei manchen geht er langsam und leise einher, bei anderen - dazu zähle ich mich eher - zügig und durchaus auffallend. Dass damit nicht jeder klar kommt oder sich Fragen stellt, ist natürlich auch verständlich.
Es geht mir gut. Und das bedeutet für mich mittlerweile glücklich sein. Früher hiess glücklich sein für mich eher, eine tolle Reise machen zu können (naja, das lasse ich sogar heute noch gelten), es hiess, sich die neueste Look-A-Like-Tasche zu leisten oder bei Ebay ein Schmuckschnäppchen zu machen. Heute sind das für mich nichts als Oberflächlichkeiten (nochmal, die Reisen klammern wir da aus) und ich kann damit kaum mehr was anfangen. All dieser Kommerz ist nicht mehr wichtig. Würde ich heute nochmal vor den Altar treten, es würde sicher anders laufen. Nicht besser. Nur anders. Weil ich jetzt anders bin. Oder vielmehr schon immer so war, aber das habe ich erst jetzt erkannt.
Zu viel habe ich in den letzten Jahren gesehen, als dass Glück für mich noch über diese Banalitäten definiert werden könnte. Stattdessen bin ich vielmehr dankbar dafür, gesund zu sein (im Großen und Ganzen), einen lieben Mann zu haben und ein Dach über den Kopf. Selbstverständlichkeiten, die man erst dann zu schätzen lernt, wenn man sieht, was sein kann, wenn man sie nicht mehr hat.
Würde ich nun versuchen, das meiner Freundin zu erklären, sie würde es sicher nicht verstehen. Weil ihre eigenen Prioritäten ganz woanders liegen.
Weil Glück für sie "haben wollen" bedeutet.
Und nicht einfach nur die Abwesenheit von Unzufriedenheit.

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