Sonntag, 26. September 2010

Die andere Seite

Das letzte Mal, als wir uns sahen, stand er mir direkt gegenüber, lässig mit der Schulter an einer Mauer angelehnt. Er trug ein weisses Shirt, eine schwarze Hose und ein ebenso dunkles Sakko, die Arme hielt er locker vor dem Körper verschränkt. Seine braunen Locken hatte er abgeschnitten und gefärbt, so dass glatte, schwarze Strähnen jeder Länge in alle Himmelsrichtungen standen. Normalerweise hätte ich Angst gehabt, ihn zu sehen, doch war ich in diesem Moment nicht allein. Er blickte mich mit seinen tiefschwarzen Augen an und schenkte mir einen Blick, halb Neugier, halb Verwunderung. Dann verzog er seinen Mund zu einem schiefen Lächeln und sagte:
"Hinter Dir stehen zwei tote Menschen."
Da war es an mir, zu lächeln. Hatte er gedacht, das würde mich erschrecken?
Tiefe Ruhe breitete sich in meinem Inneren aus, während sich unsichtbare Hände auf meine Schultern legten. Mutig trat ich ihm entgegen.
"Ich weiss," sagte ich mit der Genugtuung, ihm selbige nicht zu gewähren.
Im nächsten Moment war er verschwunden.

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