Dienstag, 14. September 2010

Die Prinzessin und das Jenseits

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Da stellt sich Madame Prinzessin - eh schon als sehr geschäftstüchtig verschrien, und das ist noch geschmeichelt - hin und bietet "Kurse" zur Kommunikation mit Toten an. Gegen Geld, versteht sich.
Ich weiß nicht, wie ich das finden soll. Doch, eigentlich schon.
Was die Fähigkeiten der Dame betrifft, so vermag ich sie nicht zu beurteilen. Es ist gut möglich, dass sie selber wirklich solche besitzt, da bin ich die Letzte, die Steine schmeisst. Es kann auch durchaus sein, dass sie eine gute Lehrerin ist und es bei medial begabten Menschen schafft, eine Brücke zwischen den zwei Welten zu schlagen, vielleicht bei dem ein oder anderen sogar eine bisherige Blockade zu lösen.
Das Problem Nummer 1, was ich hierin sehe, ist, dass dies meines Erachtens eben nur bei medial begabten Menschen möglich ist. Menschen, die überhaupt keinen Sinn für Spiritualität haben, wird dieser "Kurs" mal gar nichts bringen, aber wahrscheinlich würden die sowieso nie eine derartige Veranstaltung besuchen.
Das eigentliche Problem Nummer 2 sehe ich vielmehr darin, dass es ein Kurs ist. Soll heißen, es kostet Geld. Und hier bekomme ich - wie meine Mutter sagen würde - Schwämmchen. Ich bin mir sehr sicher zu wissen, welche Leute in diese "Kurse" gehen. Es werden zum Großteil Menschen sein, die nicht unbedingt ihre eigenen Fähigkeiten schulen wollen (weil sie eventuell gar keine besitzen), nein, es werden diejenigen sein, auf die dieses Angebot in Wirklichkeit ausgerichtet ist. Auf die Hoffenden, Verzweifelten, auf die sich nach ihren Angehörigen oder Liebsten Sehnenden. Es sind die Menschen, die sich wünschen, durch einen solchen "Kurs" Kontakt herzustellen und in Zukunft durch die entsprechende Schulung immer wieder abrufen zu können, so als würde man eben mal schnell ins Jenseits telefonieren. Ich weiß nicht, was mich mehr entsetzt. Auf der einen Seite haben wir die "Kurs"veranstalterin, die mit Gefühlen spielt und dafür auch noch Geld kassiert. Gut, will ich mal nicht ungerecht sein, es mag vielleicht schon ein kleiner Funken guter Wille hinter diesem Angebot stecken... nein, ich revidiere, da steckt einfach nichts Gutes dahinter. Wäre dem so, dann würde Prinzessin Märtha nämlich kein Geld nehmen, so simpel ist das. Das ist wirklich das Letzte!
Was mir allerdings noch mehr Sorgen bereitet, ist der nahezu respektlos anmutende Umgang mit Energien, von denen die Betroffenden meist nicht sie geringste Ahnung haben! Das ist so ähnlich wie Gläserrücken oder das Ouija-Brett. Ich schlag da immer die Hände überm Kopf zusammen, wenn gelangweilte Teenies sich aus Jux zusammen setzen und dann eine Pseudositzung abhalten. Das ist - laßt Euch das bitte gesagt sein - scheißgefährlich! Wenn Ihr nicht genau wisst, wie Ihr damit umzugehen habt, dann öffnet Ihr unwissentlich Energien Tür und Tor, deren Bändigung Ihr einfach nicht mächtig seid. Und die besser dort geblieben wären, wo sie hingehören. Nicht selten berichten viele Beteiligte nach einer vollzogenen "Sitzung" von dem Gefühl der Angst, verfolgt zu werden...
Die Verbindung auf die andere Seite ist etwas sehr Wertvolles und muss mit viel Respekt und Sorgfalt behandelt werden. Einfach so daran herumzuspielen, indem man zwischen der Wäsche und dem Mittagessen mal eben mit der verstorbenen Großmutter ratscht, wie denn nochmal deren Geheimgulasch zubereitet wird, das ist schon grob fahrlässig. Es wird der Eindruck erweckt, dass es sich um etwas komplett Harmloses handelt - und das ist es einfach nicht! Eine Verbindung muss immer (!) freiwillig entstehen. Man kann bei entsprechender Veranlagung sich selber und seinen Geist öffnen und dazu bereit erklären, Botschaften zu empfangen (auch hier gelten gewisse Vorsichtsmaßnahmen), aber man darf einfach nichts erzwingen. Das ist im übertragenen Sinne nichts Anderes wie Störung der Totenruhe oder - auch wenns sich heftig anhört - Leichenfledderei.
Es hat seinen Sinn, dass unsere zwei Welten voneinander getrennt sind. Dass wir uns hier befinden, und die, die nicht mehr unter uns weilen, auf der anderen Seite.
Wo bleiben da nur Respekt und Ehrfurcht?

Liebe Prinzessin Märtha,
es macht Ihnen keiner einen Vorwurf daraus, dass Sie sich - ideenreich und experimentell wie Sie nun mal sind - in vielen verschiedenen Branchen und Feldern ausprobieren. Wie jeder Mensch, egal ob blauen Blutes oder nicht, haben Sie das Recht auf Selbstentfaltung.
Was allerdings schlichtweg fahrlässig ist, ist der Handel mit dem Jenseits und dem Spiel mit Hoffnungen. Und nicht genug, dass Sie Geld von verzweifelten Menschen nehmen, die sich durch Ihren "Kurs" eine ständige Flatrate "nach drüben" versprechen. Nein, Sie vermitteln durch Ihr Angebot ein derart harmloses Image (à la Jenseits für jedermann), dass ich gar nicht weiß, was ich am liebsten mit Ihnen machen würde.
Sie lassen doch sonst keine Gelegenheit aus, Ihre royale Verantwortung zu betonen.
Verdammt nochmal, dann übernehmen Sie sie auch endlich mal!
Und beenden dieses leichtsinnige Treiben.
Sie haben ja keine Ahnung, was Sie damit anrichten können...

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