Freitag, 2. Juli 2010

Das unentdeckte Land

Warum ein Buch selber herausbringen als von einem Verlag publizieren lassen?
Eine Frage, die so viele Komponenten anspricht, dass einem schwindelig werden kann bei dem Versuch, sie zu beantworten.
Ich versuche hier, das Wichtigste so kurz und knaggsch wie möglich zusammenzufassen.
Wer sich auf den Weg macht, sein Buch (das nicht gerade ein Kinderbuch ist, hier sind die Möglichkeiten meines Erachtens weitaus ergiebiger) an den Verlag zu bringen, merkt sehr schnell, dass die grossen Häuser fast nur auf Nummer Sicher gehen. Das bedeutet, es werden Rechte bereits im Ausland erfolgreicher Autoren eingekauft, um sie dann entsprechend hier zu vermarkten. So minimiert man das wirtschaftliche Risiko, eventuell ein Buch zu promoten, das trotz Qualität keiner lesen mag. Ein bekannter Verlag erhält pro Jahr grob geschätzt etwa 1000 (eher das Doppelte) unverlangt eingesandte Manuskripte. Veröffentlicht wird davon - festhalten - mit viel Glück eines. Nicht, weil alle anderen so schlecht und unterirdisch sind, nein vielmehr, weil lediglich dieses eine Werk genau dem aktuellen Publikumsgeschmack entspricht und dann auch noch einigermassen von Geschichte und Schreibstil her überzeugt. Ein ganz schön ernüchternder Schnitt.
Auch ich habe mich an die grossen Verlage und Literaturagenturen herangetraut, allerdings ohne grosse Erwartungen. Ein grosser Verlag antwortete, man fände meine Idee höchst interessant, doch solle ich noch mehr an meinem Schreibstil feilen. Das war zwar eine Absage, für mich aber auch eine Bestätigung, dass ich auf einem so komplett verkehrten Weg nicht sein kann. Ein kleinerer Verlag verlangte sogar nach dem Manuskript. Gesteigertes Interesse! Kurze Zeit später kam ebenfalls eine Absage mit der Begründung, dass man nicht wisse, wie man das Werk in das bestehende Programm integrieren soll.
Hm nun ja.
Das ist eine Standardantwort und so vielsagend wie 'Der Himmel ist blau'. Fakt ist, man wusste bereits vorab durch ein ausführliches wie auch ein Mini-Exposé, was in dem Buch steckt. Dann zu sagen, es passt nicht ins Konzept, mutet schon etwas unehrlich an. Ich bin mir sicher, auch hier war den Herrschaften die Thematik zu heiss, die Nische zu unsicher, als dass man bereit war, einen Versuch zu wagen. Wie gesagt, ich kann die Überlegungen schon verstehen, wir haben schliesslich alle kein Geld zu verschenken.
So stand für mich fest, ich mach das Ding auf eigene Faust. Dank moderner Medien ist das heutzutage kein Problem mehr, relativ erschwinglich und macht wirklich unglaublich Spaß. Der Nachteil der Eigenpublikation - das Marketing liegt alleine beim Verfasser und solche Bücher haben bei Buchhandlungen und Internetshops nicht gerade das beste Image. Oft zurecht, das muss man eingestehen. Nicht selten publizieren Menschen, die es besser hätten lassen sollen (vielleicht gehöre ich ja auch dazu, wer weiss das schon?). Lektorat und Co. muss man selber übernehmen oder teuer hinzukaufen, das bedeutet hier und da schon mal Rechtschreib-, Tipp- und Interpunktionsfehler. Ich habe mein Buch deswegen gegenlesen lassen, nachdem ich selber es gefühlte hundert Mal durch hatte, und immer noch fanden sich Kleinigkeiten. Das bleibt einfach nicht aus (auch nicht bei grossen Verlagen, was ich da schon an Fehlern in lektorierten Werken gefunden habe...).
Nun denn, es ist wie es ist. Und ich freue mich als kleiner Kreativkopf darüber, alles selber machen zu dürfen. Auch wenn ich beispielsweise bezüglich des Covers nun einmal nicht die Möglichkeiten hatte, wie ich sie gern gehabt hätte. Trotzdem bin ich mit dem, was entstanden ist, mehr als zufrieden. 368 Seiten müssen nämlich auch erst einmal gefüllt werden.
Und wer weiss, vielleicht eröffnet sich ja bald ein ganz neuer, bisher nahezu unentdeckter Markt...

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